Kind tanzt spontan zu Klezmer-Klängen

Das Trio „A Tickle In The Heart“ spielte im StadtmuseumFoto:Walter Fischer
Das Trio „A Tickle In The Heart“ spielte im StadtmuseumFoto:Walter Fischer
Foto: Fischer / Funke Foto Services
Das Trio „A Tickle in the Heart“ begeistert mit seinem Konzert im Stadtmuseum Hattingen. Die Menschen standen an der Kasse Schlange. Mit dem Andrang war nicht gerechnet worden.

Hattingen..  Seit bald dreißig Jahren lässt sich eine weltweite Wiederbelebung der ostjüdischen Klezmermusik beobachten. Als ein Beitrag hierzu – und als nachträgliche Erinnerung an den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus’ – fand am Samstag ein musikalischer Abend mit dem Trio „A Tickle in the Heart“ im Stadtmuseum in Blankenstein statt, zu dem die Volkshochschule eingeladen hatte.

Die Schlange der Menschen, die an der Abendkasse noch eine Karte ergattern wollten, reichte bis auf den Hof, nachträglich wurden Stühle überall dort aufgestellt, wo auch nur noch ansatzweise ein Platz zu finden war. Mit so einem Andrang hatte niemand gerechnet. „Wir freuen uns sehr über dieses große Publikum“, betonte Andreas Schmitges, der am Abend auf Gitarre und Mandoline musizierte.

Das Trio, das sich nach dem Film „A Tickle in the Heart“ benannt hat, einem in schwarz-weiß gedrehten Kinostreifen über das jüdische Klezmer-Trio Epstein Brothers, ist in der europäischen Klezmer-Szene ein Begriff.

Seit inzwischen 15 Jahren sind die drei professionellen Klezmer-Musiker – neben Schmitges zählen Bernd Spehl und Thomas Fritze zum Trio – gemeinsam auf Tournee. Sie haben in dieser Zeit unzählige Konzerte gegeben, aber auch auf vielen jüdischen Hochzeiten und zu anderen geselligen Anlässen – wie beispielsweise auf Feiern der Bar-Mizwas, der religiösen Mündigkeit im Judentum – gespielt und getanzt. Ihr Weg führte die Künstler nach dem Musikstudium mitten hinein in die internationalen Klezmer-Gemeinden. Auf Workshops in England, Weimar oder New York wird immer noch der Austausch gepflegt, die Älteren – oft auch schon in der „neuen Welt“ aufgewachsenen – geben ihr Wissen und Können an die nächste Generation weiter. Überall in der Welt sind die drei Künstler unterwegs, um die jiddische Sprache, Tänze, Gesänge und Lebensweisen zu erforschen und Quellen berauschender Musik zu finden.

Auf dem Rückweg von einem einmal im Jahr stattfindenden Fest am Berg Meron in Israel saß Klarinettist Bernd Spehl einmal um vier Uhr am Morgen an einem Flughafen fest. „In meiner Not habe ich in einem CD-Laden alles an jüdischer Musik aufgekauft, was ich finden konnte“, erzählt er. Daraus seien dann wieder neue Melodien für das Trio entstanden.

Fasziniert seit der ersten Sekunde

Und die begeistern am Samstagabend im Stadtmuseum. „Schon als Kind habe ich diese Musik im Radio gehört und war von der ersten Sekunde an fasziniert“, verrät einer der älteren Zuhörer. und das einzige Kind, das dieser Abendveranstaltung beiwohnt, steht kurzerhand auf und tanzt zu den fröhlichen Klängen. Auch der tosende Applaus, der nach jedem Stück durch den Raum schallt, spricht für sich: Jiddisch Folk-Klezmer kommt bei den Hattingern gut an.

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