Kein Bus, kein Essen, keine Kunden

Foto: Fischer / WAZ FotoPool
Foto: Fischer / WAZ FotoPool
Foto: Fischer / WAZ FotoPool
Warnstreik im öffentlichen Dienst: Bürger mussten auf einiges verzichten.

Hattingen..  „Auf Grund eines Warnstreiks im Öffentlichen Dienst kommt es zu Ausfällen bei Bus- und Straßenbahnfahrten“ – diese Worte laufen rot über die Anzeigetafeln am Busbahnhof. Der Reschop ist leer. Einsam liegen Zigarettenschachteln und zerknüllte Brötchentüten auf dem Boden. Die Türen des Bogestra Kunden-Centers sind geschlossen, auf einem roten Plakat steht: „Streik“.

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi verlangt eine Einkommenserhöhung von 6,5 Prozent sowie, dass Auszubildende unbefristet übernommen werden, und die Ausbildungsvergütung um 100 Euro erhöht wird. Aus diesem Grund stehen nicht nur Busse und Straßenbahnen still, sondern auch die Wagen der Müllabfuhr. „Allerdings konnte eine Notmannschaft eingesetzt werden“, sagt Frank Mielke vom Fachbereich Personal, Organisation, Datenverarbeitung der Stadt. Disponent Sigfried Noack von der DAR erklärt, die gelben Säcke wurden normal abgeholt. Dieses Unternehmenist nicht vom Streik betroffen.

Stattdessen wurden die Arbeiten für Grünpflege oder Straßenreinigung eingestellt, so Frank Mielke. „Auch Einzelpersonen vom Bürgerbüro, Standesamt, Jobcenter und Sozialamt beteiligten sich am Streik, daher konnte es zwar zu Verzögerungen kommen, aber es verlief alles ohne Probleme für den Bürger.“ Für Eltern mit kleinen Kindern sah es hingegen schlecht aus: Kitas hatten geschlossen. Auch an den Schulen machte sich der Streik bemerkbar. Zu den Gymnasien Holthausen und Waldstraße sowie zur Realschule Grünstraße fuhren keine Busse der Bogestra oder VRR. „Pro Klasse fehlten rund zehn Schüler, insgesamt etwa 200 Kinder“, sagt Realschulrektor Manfred Wussow von der Realschule Grünstraße. „Eltern haben Fahrgemeinschaften gebildet, aber es wohnen viele Kinder in umliegenden Städten. Der Unterrichtsstoff wurde wiederholt, kein neues Thema begonnen, damit die fehlenden Schüler nichts verpassen.“ Am Gymnasium Holthausen wurden die Klausuren etwas später begonnen, damit alle Schüler pünktlich kamen. „Es waren fast alle Schüler da“, sagt Gerd Buschhaus, Schulleiter am Gymnasium Holthausen, „allerdings ist bei uns wegen des Streiks das Mittagessen ausgefallen, die Mensa und der Kiosk waren geschlossen.“

Wer hingegen vom Streik profitierte: Hachmi Abed (60) von Taxi Dendra. „Es ist schon etwas mehr los als sonst“, sagt der Taxifahrer, „einige Fahrgäste haben mir erzählt, dass sie eigentlich mit dem Bus fahren wollten, sie hatten vom Streik nichts mitbekommen.“ Ein älteres Ehepaar aus Winz-Baak, das sonst immer mit dem Bus fährt, brachte er zum Arzt in die Innenstadt. „Eine Frau wollte die Rechnung von der Taxifahrt haben, weil sie das Geld bei der Bogestra einklagen will.“

Lau sah es in Geschäften aus. Hans-Peter Schuffert von Foto und Studio Tischler spürt den Streik an der ausbleibenden Kundschaft. „Er kostet das ganze Tagesgeschäft“, ärgert er sich, „gerade ältere Menschen aus Niederwenigern oder anderen Außenbezirken kommen normalerweise mit dem Bus in die Stadt gefahren. Heute waren erschreckend wenige Kunden da.“

Zurück zum Busbahnhof: Dort steht jetzt eine ältere Dame: Katharina Noak (80). „Ich komme von der Wasserqymnastik und möchte jetzt nach Hause“, sagt sie. Keine Sorge, das kommt sie. Lächelnd steigt sie in den Bürgerbus – der fährt trotz Streik.

 
 

EURE FAVORITEN

So schützt du deinen Hund vor der Sommerhitze

Heiße Sommer-Temperaturen sind für deinen Hund gefährlich. Deshalb solltest du diese Regeln beachten.
Di, 03.07.2018, 18.50 Uhr

Heiße Sommer-Temperaturen sind für deinen Hund gefährlich. Deshalb solltest du diese Regeln beachten.

Beschreibung anzeigen