Jugendliche in Hattingen attackieren Homosexuellen

Der Hattinger Christian wurde an der Bushaltestelle Thingstraße von einer Gruppe Heranwachsender schwer angepöbelt. Einige verfolgten ihn bis vor seine Haustür und griffen ihn dort tätlich an.
Der Hattinger Christian wurde an der Bushaltestelle Thingstraße von einer Gruppe Heranwachsender schwer angepöbelt. Einige verfolgten ihn bis vor seine Haustür und griffen ihn dort tätlich an.
Foto: Fischer
  • Einer der Täter zerrte an seinen Brustwarzen
  • Christian erstattete Anzeige bei der Polizei
  • Außerdem habe er dem Bürgermeister einen Brief geschrieben

Hattingen. Dass Menschen ihn beschimpfen als „schwule Sau“ oder „Schwuchtel“, sagt Christian, erlebe er regelmäßig. Aber die massive Bedrohung, der er sich am Pfingstmontag ausgesetzt fühlte, war eine so heftige Grenzüberschreitung, dass er nun damit an die Öffentlichkeit geht. Die Bürger müssten von „schwulenfeindlicher Hasskriminalität“, wie sie ihm widerfahren sei, Kenntnis bekommen, betont der Hattinger (18). Nur so sei den Feindseligkeiten bis hin zu Angriffen gegen Homosexuelle auf Dauer beizukommen.

Christian sagt, in Hattingen sei „schwulenfeindliche Hasskriminalität nicht gerade selten“. Diese Einschätzung können Dietmar Trust, Sprecher der Polizei des Ennepe-Ruhr-Kreises, und Heike Tahden-Farhat vom Verein Weißer Ring zur Betreuung von Kriminalitätsopfern zwar nicht bestätigen. Wohl aber, dass der 18-Jährige Anzeige erstattet hat gegen drei Heranwachsende, die ihn am Pfingstmontag tätlich angingen.

An Haltestelle wüst beschimpft

Gemeinsam mit einem Freund kehrte Christian an jenem Nachmittag von einem Ausflug aus Essen zurück. Als sie an der Bushaltestelle an der Thingstraße ausstiegen, wurde er von einigen dort Stehenden wüst beschimpft, einer zeigte ihm den Mittelfinger. Zwei Pöbler erkannte Christian: Die beiden Jungen hatten ihn schon mehrfach schwer belästigt. Auch habe er, der sich bereits vor Jahren als schwul geoutet hatte, gewusst, dass sie seine sexuelle Neigung kannten, sagt Christian. Gleichwohl tat er, als habe er die Pöbeleien nicht gehört.

Doch die zwei ihm bekannten Jungen sowie ein dritter ihm unbekannter etwas Älterer verfolgten sie bis zum Elternhaus. Dort wurden die Täter handgreiflich, einer zerrte an seinen Brustwarzen. Christian sagt, er und sein Freund seien in jener Situation wie erstarrt gewesen – unfähig, sich zur Wehr zu setzen. Erst als sein Vater, dessen Freundin sowie Christians Schwester hinzukamen, seien die drei Täter weggerannt. Die herbeigerufene Polizei habe eine Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung aufgenommen.

"Wir bringen dich um"

Tags darauf – Christian hatte gerade an Aktionen zum „Tag gegen Homophobie“ in Hattingen und Essen teilgenommen – traf er erneut auf seine beiden jüngeren Peiniger, diesmal am Rande der Altstadt. Einer drohte: „Wir bringen Dich um, wenn Du die Anzeige nicht zurücknimmst.“ Christian rannte weg – und erstattete zwei Tage später erneut Anzeige, diesmal wegen Bedrohung. Er will derlei homophobes Verhalten nicht länger hinnehmen, hofft durch den Gang an die Öffentlichkeit auf eine Signalwirkung. Auch den Bürgermeister habe er in einem Brief gebeten, „in Hattingen etwas gegen homophobes Verhalten zu tun“ – und vielleicht am Rathaus die Regenbogenflagge zum Zeichen der Unterstützung Schwuler und Lesben zu hissen.

Dass der Polizei keine Übergriffe gegen Homosexuelle bekannt seien, sagt Christian, liege nicht daran, dass es sie nicht gebe, sondern dass „viele sich nicht trauen, sich zu outen. Das ist leider immer noch so“. Auch für sie sei er an die Öffentlichkeit gegangen. „Wir müssen die Emanzipation vorantreiben.“

 
 

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