Jugendarbeit neu vernetzen

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Egbert Willecke leitet seit wenigen Monaten das Hattinger Jugendamt und hat sich viel vorgenommen.

Hattingen.  Im nächsten Jahr will Egbert Willecke wieder einen Marathon angehen. Puste und Durchhaltevermögen, die für die fast 42 Kilometer vonnöten sind, kommen dem Leiter des Jugendamtes nicht nur gesundheitlich zugute. Die Langstrecke ist ein gutes Bild für das, was Hattingen seiner Meinung nach an Aufgaben vor sich hat. Und erst recht, wenn man beispielsweise die Inklusion gesamtgesellschaftlich sieht. „Das wird noch Jahrzehnte dauern“, sagt der 52-Jährige.

Die Gesellschaft müsse umdenken. Veränderungen seien aber nicht von heute auf morgen möglich. Früher sei der Ansatz auch anders gewesen, für behinderte Menschen habe es spezielle Einrichtungen gegeben. Was Willecke sich wünscht beim Thema Inklusion: dass sie aus der Perspektive des Kindes gesehen wird. Zentrale Frage für ihn: „Was ist am besten für das Kind, was braucht es?“

Sensibel mit Begrifflichkeiten

Was seine Tätigkeit im inzwischen nicht mehr brandneuen Amt angeht, hat er die ersten 100 Tage mehr als überschritten. Bezogen auf die Gesamtstrecke, hat er sich aber gerade mal warmgelaufen. Manches will er in Zukunft anders machen. Etwa sensibler mit Begrifflichkeiten umgehen. Welper sei sicher ein Stadtteil mit Erneuerungsbedarf. Aber „es war nie die Absicht, einen Ortsteil zu diskreditieren“, kommentiert er den „sozialen Brennpunkt Welper“ in der Vorlage für den Jugendhilfeausschuss. Nach Förderungsvorgaben werden neue Familienzentren, wie berichtet, nur noch in Brennpunkten unterstützt. Was auch geschrieben wurde. Doch bei Menschen, die nur die Überschrift lesen, bleibe nur das Schlagwort hängen. „Wenn ich dort wohnen würde, fände ich es auch schwierig“, räumt der Leiter des Jugendamtes ein.

Die Kinder- und Jugendarbeit sei gut aufgestellt. „Wir müssen uns neu sortieren, neu vernetzen“, so Willecke. Genau hinsehen will er, was Kinder und Jugendliche angesichts des Ganztags in der Schule an Angeboten in der Freizeit brauchen. Was er positiv an Hattingen findet ist „die bunte Vielfalt“.

Wie Menschen „in gutem Einklang“ zusammen leben, auch wenn es bei manchen vielleicht Berührungsängste gebe wie jetzt etwa beim Thema Moschee. Da helfe nur Information und aufeinander zugehen. Dem 52-Jährigen imponiert auch, dass die Hattinger gemeinsam aktiv werden – wie zuletzt gegen Rechts. Dass sie sich engagieren, für einander eintreten.

Der Vater zweier Töchter im Alter von 22 und 26 Jahren liebt die neue berufliche Herausforderung in Hattingen, das kollegiale Miteinander am Arbeitsplatz, die hohe Motivation, die Gastfreundschaft. Er ist in Bochum groß geworden, hat noch Kontakt zu früheren Kollegen in Haltern, wo er über zehn Jahre für den Bereich Familie und Jugend zuständig war.

Noch genauer aufgebaut werden soll die Jugendhilfeplanung vor Ort. Das Freizeitverhalten der Jugendlichen wird analysiert. Bei den beruflichen Vorgaben setzt Willecke auf ein gutes Durchschnittstempo und darauf, alle mitzunehmen – wobei auch wieder der Marathon hilfreich ist.

 
 

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