Jeder Schlaganfall ist ein Notfall

Chefarzt Dr. Rainer Poburski (li.), und Oberarzt Nikola Popovic besuchen einen Patienten auf der Stroke Unit, der Schlaganfall-Spezialstation.Foto:Walter Fischer
Chefarzt Dr. Rainer Poburski (li.), und Oberarzt Nikola Popovic besuchen einen Patienten auf der Stroke Unit, der Schlaganfall-Spezialstation.Foto:Walter Fischer
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Neurologe Dr. Rainer Poburski betont, dass es wichtig ist, Symptome ernst zu nehmen. 2014 kamen 400 Patienten mit Verdacht auf einen Schlaganfall ins EvK.

Hattingen..  Ein paar Tage erst ist es her, da ging bei dem 80-jährigen Hattinger nichts mehr. Er sprach verwaschen, die linke Körperseite war gelähmt. Inzwischen ist er wieder auf den Beinen – als ob er nie einen Schlaganfall gehabt hätte. Es sind solche Fälle, die Dr. Rainer Poburski (62), Chefarzt der Klinik für Neurologie am Evangelischen Krankenhaus (EvK), immer wieder „den Sinn unserer Tätigkeit erkennen lassen“. Weil sie zeigen, wie wichtig es ist, dass ein Schlaganfall schnellstmöglich behandelt wird.

Die Drei-Stunden-Frist ist aus medizinischer Sicht dabei das entscheidende Zeitfenster. So lange haben Schlaganfall-Patienten eine gute Chance, dass Ärzte das Blutgerinsel, das ihre Gefäße verstopft und den Schlaganfall auslöst, vollständig auflösen können. Gesundheitliche Dauerschäden durch die Erkrankung lassen sich so abmildern oder gar komplett verhindern.

Zwar habe sich das Bewusstsein dafür, dass bei einem Schlaganfall die Zeit zählt, inzwischen „gut etabliert hat“, betont Poburski anlässlich des „Tags des Schlaganfalls“ am gestrigen Sonntag. Dennoch komme es immer wieder vor, dass Betroffene Warnsymptome nicht ernst nähmen. Und etwa glaubten: Wenn ein starker akuter Kopfschmerz, eine Sprach- oder Gangstörung nach zehn, 15 Minuten von selbst weggeht, müsse man nicht ins Krankenhaus.

Doch genau das sei falsch, warnt der Mediziner. Denn oft folge auf den ersten ein weiterer, heftigerer Schlaganfall. Zudem wirkt die Lyse-Therapie – bei dieser wird dem Patienten ein Medikament verabreicht, dass das Blutgerinsel auflösen soll – am besten unmittelbar nach dem Schlaganfall.

2014 aber konnte sie am EvK nur 28 Mal durchgeführt werden. Zwar gebe es für die Behandlung viele medizinische Ausschlusskriterien. Den Rückgang gegenüber 2013, als 45 Lyse-Therapien durchgeführt wurden, führt Poburski aber darauf zurück, dass viele Betroffene zu spät ins EvK kamen. „Jeder Schlaganfall ist ein Notfall, bei dem man den Notarzt rufen sollte – sofort.“

Rund 400 Patienten mit Verdacht auf einen Schlaganfall – aus Hattingen und den angrenzenden Städten – wurden im vergangenen Jahr im EvK behandelt, in 100 Fällen gaben die Ärzte schon bald Entwarnung: Die dieser Erkrankung gleichenden Symptome hatten andere Ursachen: einen fiebrigen Infekt, einen epileptischen Anfall, eine schwere Migräne-Attacke. Die übrigen 300 Frauen und Männer wurden auf einer Spezialstation („Stroke Unit“) behandelt und während der ersten Tage besonders intensiv überwacht. 250, sagt Poburski, konnten das EvK schließlich ohne oder mit nur kleinen Einschränkungen verlassen.

Wie der 80-Jährige, dessen Frau gleich nach Auftreten der Schlaganfall-Symptome den Notarzt rief.

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