Immer mehr Unfallfluchten

Das Problem der Unfallfluchten hat es schon immer gegeben. Jeder zweite Unfallflüchtige konnte im Nachhinein ermittelt werden.
Das Problem der Unfallfluchten hat es schon immer gegeben. Jeder zweite Unfallflüchtige konnte im Nachhinein ermittelt werden.
Foto: WAZ FotoPool
Auch wenn Geschädigte verletzt sind, kümmern sich die Verursacher oft nicht. Erfreulich aber: 52,84 Prozent aller Unfallflüchtigen wird im Nachhinein ausfindig gemacht. und dann zählt die Ausrede "Och, hab ich gar nicht bemerkt" nicht.

Hattingen.. Es passierte an einem Montagmorgen im April: Der Fahrer eines schwarzen Pkw ist an diesem 23. April im Schulverkehr auf der Grünstraße auf das abbiegende Mofa eines 15-jährigen Hattingers aufgefahren. Der Jugendliche stürzte und verletzte sich leicht. Und der Autofahrer? Der fuhr weiter, ohne sich um den Verletzten und den Sachschaden (1000 Euro) zu kümmern – eine klassische Unfallflucht mit Personenschaden, wie es der Polizeijargon benennt. Schon die dritte in diesem Jahr (2011 gab es in den ersten vier Monaten lediglich eine). Und auch die Gesamtzahl der Unfallfluchten ist im vergangenen Jahr in Hattingen um mehr als 14 Prozent auf 405 angestiegen.

„Das Problem der Unfallfluchten hat es immer schon gegeben“, sagt Polizeisprecher Dietmar Trust. „Meistens wollen sich die Unfallverursacher vor einer Schadensregulierung drücken, weil es schnell in den vierstelligen Bereich geht. Dann sagen sie sich: Das wird schon keiner merken.“

52,84 Prozent der Unfallflüchtigen wird ausfindig gemacht

Wenn aber doch ein aufmerksamer Zeuge das Kennzeichen notiert hat und der Beschuldigte gefunden ist, lautet die Ausrede in der Regel: „Och, das habe ich gar nicht bemerkt.“

Erfreulich ist für die Kreispolizei die Aufklärungsquote: 52,84 Prozent aller Unfallflüchtigen – also jeder zweite – wird ausfindig gemacht. „Es sollte sich also jeder gut überlegen, ob er einfach weiterfährt“, sagt Trust. „Wenn die Polizei einen findet, wird es umso teurer.“ Kreisweit liegt die Aufklärungsquote bei 45,84 Prozent – 1444 Unfallfluchten gab es im Jahr 2011, 33 mehr als im Jahr davor.

Bei den Unfallfluchten mit Personenschaden ist die Quote für die Polizei sogar noch bedeutend besser. 38 Fälle gab es 2011 (2009 waren es sogar noch 56) – 71,05 Prozent wurden aufgeklärt.

Auch Bagatellschäden dürfen nicht auf die leichte Schulter genommen werden

Dietmar Trust beschreibt den klassischen Fall: „Oft wird eine Situation falsch eingeschätzt: Es passiert ein Unfall, der Verursacher fragt, ob alles okay sei, der Geschädigte antwortet ja, die Personalien werden also nicht ausgetauscht. Kurz später stellt sich heraus, dass es doch eine Verletzung gegeben hat – dann haben wir trotz aller Absprachen untereinander eine Unfallflucht.“ Die Polizei versuche dementsprechend auf Autofahrer einzuwirken, auch Bagatellschäden nicht zu leicht zu nehmen. „Lackspuren oder zerbrochene Rückfahrleuchten an den Fahrzeugen helfen oft schnell, den Halter zu bestimmen.“

Zurück in die Gegenwart. „Die Entwicklung ist positiv, die Zahlen sind rückläufig“, berichtet Dietmar Trust. 112 Unfallfluchten gab es in den ersten vier Monaten des Jahres, das ist die geringste Fallzahl der vergangenen vier Jahre. Und aufgeklärt wurden bisher 54.46 Prozent davon – nie war die Quote in den vergangenen vier Jahren besser.

EURE FAVORITEN