Im Keller des Wahrzeichens

Foto: WAZ FotoPool
Die WAZ öffnet Pforten – am Montagnachmittag im Bügeleisenhaus. Lars Friedrich zeigt den Lesern die schmutzig-schöne Seite des Denkmals.

Hattingen..  Es ist eine Reise in die Vergangenheit – und dennoch sind die Leserinnen und Leser der WAZ allen gewöhnlichen Besuchern des Bügeleisenhauses um Jahre voraus. Sie stehen im Keller jenes Hattinger Wahrzeichens, Baujahr 1611. Haben sich eine holprige Treppe hinunter und an Spinnwegen vorbei gekämpft. Und staunen. Unter dem Tonnengewölbe tief unten im Hausgrund, der erst vor zehn Jahren renoviert worden ist, liegen Steinfunde von der Isenburg neben Grabplatten von St. Georg. Das alles wird den Besuchern des Bügeleisenhaus zurzeit nicht gezeigt. So wie dieser Keller, den überhaupt noch niemand zu Gesicht bekommen hat.

„In zwei Jahren wird sich das ändern“, verkündet Lars Friedrich eine Neuigkeit. „Dann nämlich wird das Jahresthema unserer Ausstellung ,Unter uns’ lauten. Wir zeigen das unterirdische Hattingen im Wandel der Zeit“, so der Vorsitzende des Heimatvereins Hattingen-Ruhr, der das Bügeleisenhaus 1956 kaufte und seither betreut. 2015 also soll dann auch dieser Keller des Museums für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Eine weitere Tür schließt Lars Friedrich der WAZ-Gruppe an diesem Montag auf: die zum Dachgeschoss. Auch diesen Raum bekommen Museumsgäste sonst nicht zu sehen. Jetzt sehen sie: Kisten. Denn auch hier lagert der Heimatverein Ausstellungsstücke aus Hattingens Vergangenheit, die schon zu sehen waren oder erst noch für eine Präsentation vorgesehen sind.

Und dann wird’s noch ganz persönlich: „Bitte schön – mein Lieblingsblick.“ Friedrich hat eine kleine Dachluke noch oben geklappt und weist nach Norden. Über Dächer und Fachwerk hinweg sucht sich der Blick seinen Weg zum Turm von St. Georg. Der ist schief wie immer. Sieht aus dieser Perspektive aber so interessant wie selten aus. Traumhaft schön.

Apropos Perspektive: Natürlich stellt Lars Friedrich bei der interessanten Tour zwischen Dach und Keller nicht nur das Haus vor, jenes Kleinod der Altstadt und Zugpferd des Tourismus. Er berichtet auch von der Arbeit des Heimatvereins. Und davon, dass die Stadt die finanzielle Förderung denkmalgeschützter Häuser eingestellt hat, weil sie sie nach Vorgabe des Finanzaufsicht einstellen musste. „Das trifft natürlich auch alle anderen Hausbesitzer in der Altstadt“, sagt der Vereinsvorsitzende. Sei für das Bügeleisenhaus aber doppelt schade. „Weil es in einem so alten Museum immer Neues zu entdecken gibt.“ Im Flur etwa ist unter den Bodensteinen ein großes Loch entdeckt worden. Im Winter will man es aufmachen. Vielleicht schlummert darunter ja ein neues Kapitel Stadtgeschichte.

 
 

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