Helge Schneider beim Zeltfestival in Bochum

Lene Lemmer
Helge Schneider und sein Diener Bodo  beim Zeltfestival Ruhr. Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Helge Schneider und sein Diener Bodo beim Zeltfestival Ruhr. Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Tolle Musik, verrückte Geschichten und ein bisschen Irrenhaus – das Publikum bekommt von Helge Schneider einfach alles. Gleich zwei Auftritte zelebrierte der Meister der Instrumente und des Blödsinns beim Zeltfestival in Bochum.

Bochum/Hattingen/Witten. Ein Bassist in giftgrün, der Meisenmann mit langem Bart, ein Diener serviert Tee auf einem Tablett, neben dem pinken Schlagzeug sitzt der Gitarrist mit Zylinder – willkommen bei Helge im Wunderland. Eine verrückte Tee-Party feierte Komiker Helge Schneider gleich zweimal mit dem Publikum beim Zeltfestival.

„Erst mal instrumental“, so die ersten Worte des Meisters im braunen Cordanzug. Die weißen Ärmel schlabbern darunter hervor, während sich Helge Schneider ans Klavier setzt und seine Begrüßungsmelodie spielt. Dass der gebürtige Mülheimer ein musikalisches Ass ist, weiß ja jeder: Orgel, Trompete, Gitarre, und Vibraphon spielt er für das jubelnden Publikum. Und zwischendurch erzählt er locker zur Jazzmusik seinen gigantischen Quatsch, der ihn so unvergesslich macht.

Lieber ein dickes Stäbchen

Er bestellt zu asiatischen Klängen „Eisbein mit Sauerkraut, bitte“. Führt Gespräche mit einer imaginären Chinesin. „Ich hätte gerne noch Stäbchen dazu.“ Seine unsichtbare Begleiterin möchte jedoch keine Stäbchen. „Achso, ja dann reicht eins. Ein dickes bitte.“ Er haucht ins Mikrophon, verformt seine Lippen und singt „Hast du eine Mutter, hast du immer Butter“ und „Der Telefonmann“.

Dabei braucht Helge Schneider eigentlich gar nichts zu tun. Er muss nur seinen kleinen Finger bewegen und die Zuschauer prusten los. Kopfschüttelnd lachend dreht man sich da zum Sitznachbarn um, der verwirrt grinsend zurückschaut. Gelangt man einmal in den Helge-Rausch, ist es schwer aus dem Lach-Rhythmus wieder hinaus zu kommen. Erst bei: „Noch ein Schlückchen Tee, bitte“, gibt es wieder Zeit zum Luftholen. Helge Schneider trinkt aus der Tasse. Ein paar Sekunden winselt Helge Schneider wie ein alter Mann, geht dann über zum spanischen Schnulzensänger, indem er zu Gitarrenklängen südländisch klingende Worte ins Mikrophon nuschelt. Da läuft mal eben ein Hund über die Bühne.

Mit Plastikblumen in den Händen sagt er nach „Hunderttausend Rosen schenk ich dir“ betroffen: „Dieses Lied nimmt mich immer ein bisschen mit – aber da bin ich ja schon wieder!“ Dann wird’s Zeit für den Meisenmann. Das Publikum wundert nichts mehr. Da kommt ein Mann im engen, schwarzen Ganzkörperanzug mit langem grauem Bart angerannt und zappelt wild auf der Bühne rum. Sergej Gleithmann turnt in Ballettschuhen, zeigt gymnastische Übungen.

Sympathische Lachfalten

Die Band beeindruckt währenddessen mit ihrer Qualität, auch wenn sie sich vom Meister auch veräppeln lassen muss. Vor dem nächsten Stück grinst dieser hämischem und sagt frech: „Ich zähle nicht vor, ich beginne einfach.“ Dann mit schlechtem Gewissen: „Na gut, ihr seid meine Freunde. Ich zähle doch vor -- aber falsch.“ Doch zwischendurch hört er einfach auf, muss er sich selbst über seine Verrücktheit kaputtlachen, wenn er seine abgedrehten Witze erzählt. Das ist der Moment, in dem man die Verbundenheit spürt, seine sympathischen Lachfalten beobachten kann. Eine blühende Phantasie hat er ja, ruft mit seinen Geschichten dem Publikum die komischsten Bilder von sprechenden Adlern in Leggins in die Köpfe. Nach fast drei Stunden mit Pause schickt er die Zuschauer zurück in die Realität – Tschüss, Helges Wunderland.