Hattingerin Edona James will unbedingt berühmt werden

Für den Fotografen hat sich Edona James extra aufgebrezelt. Normalerweise laufe sie ganz bodenständig herum, sagt die 29-Jährige.
Für den Fotografen hat sich Edona James extra aufgebrezelt. Normalerweise laufe sie ganz bodenständig herum, sagt die 29-Jährige.
Foto: Fischer / FUNKE Foto Services
  • Transsexuelle kam vor mehr als 20 Jahren als albanischer Flüchtling nach Iserlohn
  • Seit zweieinhalb Jahren lebt sie mit ihrem Mann in Niederwenigern
  • 29-Jährige hat keinen Kontakt zu ihrer Familie

Hattingen.. Zisch... erst mal ein Weißbier. „Dieses Jahr schaffe ich es nicht aufs Oktoberfest.“ Edona James stolziert im weißen Strickkleid in die Küche. Auf dem Herd blubbert selbst gemachtes Chili con Carne vor sich hin – einmal kurz umrühren. Im Fernsehen laufen albanische Musikvideos. Hund Fiffi, ein kleines weißes Fellknäuel, rast bellend durch die Wohnung in der ehemaligen Schnapsbrennerei in Niederwenigern.

Trash-Sendungen und Erotik-Messen

Die transexuelle Hattingerin, in deren Ausweis eigentlich Giselle Buszyk steht, legt lange Beine und weiße High-Heels grazil auf die Couch. „Ich hab’ doch etwas drunter, oder?“, fragt sie und nimmt – ohne eine Antwort abzuwarten – einen tiefen Schluck aus dem Bierglas.

Die 29-Jährige, die seit zwei Jahren gemeinsam mit Fiffi und ihrem Mann in Niederwenigern lebt, möchte unbedingt berühmt werden. Dafür stand sie in Trash-Sendungen wie die RTL-Nackt-Doku „Adam und Eva“ und zuletzt bei Promi-Big-Brother vor der Kamera, tritt auf Erotik-Messen auf oder platziert kleinere Skandale in großen Boulevard-Zeitungen. „Mein ganzes Leben muss ich mich beweisen“, sagt die junge Frau. „Deshalb bin ich wahrscheinlich so extrem geworden. Ich suche Anerkennung.“

Neben der Couch liegt ein dicker Stapel Autogrammkarten für Fans bereit. Ein Leben im Rampenlicht – das wünscht sich die vollbusige Frau, die vor wenigen Jahren noch ein Mann war. Als albanischer Flüchtling kam Edona James vor mehr als 20 Jahren nach Iserlohn. Die Eltern sind gläubige Moslems, zu ihnen hat sie heute keinen Kontakt mehr.

Kellner-Job in einem Nachtclub

Anders zu sein, war schwierig für den blonden Jungen namens Kujtim, der doch eigentlich immer eine Frau sein wollte. „Jeden Morgen nach dem Duschen habe ich in den Spiegel geschaut. Das war das Schlimmste für mich.“ Häufig sei sie ungerecht behandelt worden. „Wollen Sie eigentlich ein Croissant?“, fragt sie die Reporterin plötzlich.

Auch in der Schule ist es schwierig. Sie kommt ins Kinderheim, bricht eine Friseurlehre ab. Mit 17 Jahren findet Edona James einen Kellner-Job in einem Nachtclub. Dann lockt das große Geld, sie prostituiert sich. Von den ersten Einnahmen lässt sie sich die Brüste machen.

2012 in Herbede geheiratet

Mit 23 Jahren folgt der letzte Schritt zur Frau: die geschlechtsumwandelnde Operation, der endgültige Bruch mit der eigenen Familie.

Statt Mama und Papa schaut nun Schwieger-Oma Reni von der Wohnzimmerwand herab, ein Kalender zeigt Fotos von der Familie ihres Mannes. Den Elektrotechniker – „die große Liebe“ – hat sie 2012 in Haus Herbede geheiratet. Ein großes Bild zeigt das Paar an einer weißen Stretch-Limosine.

In Albanien bereits ein Star

Er im schwarzen Anzug, sie im Prinzessinnenkleid. „Bald haben wir wieder Hochzeitstag“, sagt James. „Mein Mann ist stinknormal. Und ich bin eigentlich auch ganz bodenständig“, sagt die 29-Jährige.

Edona James hat große Pläne. In Albanien sei sie bereits ein Star. Sie will dort ihr Lied „Lady“ veröffentlichen. Ein Vorbild sein für andere Transexuelle, das sei ihr erklärtes Ziel. In Hattingen gehe das besonder gut. „Ich freue mich, dass die Leute hier so tolerant sind.“

 
 

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