„Hattingen solidarisch“ ist pleite

Brauchen Hilfe: Beisitzerin Andrea Steinbach (v.li.), Kassiererin Beate Loewe, Vorsitzender  Bernd Loewe und die Stellvertreterinnen Ulrike Dieckmann und Daniela Lindgraf von „Hattingen solidarisch“. Foto:Manfred Sander
Brauchen Hilfe: Beisitzerin Andrea Steinbach (v.li.), Kassiererin Beate Loewe, Vorsitzender Bernd Loewe und die Stellvertreterinnen Ulrike Dieckmann und Daniela Lindgraf von „Hattingen solidarisch“. Foto:Manfred Sander
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  • „Hattingen solidarisch“ braucht Geld, um weiter Menschen in Not helfen zu können
  • Im ersten Halbjahr gab der Verein 12 500 Euro aus und unterstützte zehn Flüchtlingsfamilien
  • Eigenbeteiligung und Eigeniitiative werden verlangt

Hattingen..  Vor zwei Jahren war „Hattingen solidarisch“ fast pleite. Dann gab es Unterstützung. Mit Ablauf des Halbjahres stellt der Verein, der sich im April 2010 gegründet hatte und bisher mehr als 68 000 Euro an über 1000 Menschen mit Hilfebedarf verteilt hat, beim Kassensturz fest: kein Geld mehr da. Im ersten Halbjahr 2016 konnte der Verein noch 12 493,39 Euro ausgeben. Davon 5197,95 Euro für zehn Flüchtlingsfamilien.

Am Freitagnachmittag hat Vorsitzender Bernd Loewe noch mit einem jungen Mann Farbe für dessen Wohnung gekauft. Selbst Farbe bekennen müssen jetzt die 26 Mitglieder, die anderen nicht mehr helfen können, wenn ihnen nicht finanziell geholfen wird. In die Verwaltung, versichert der Vorsitzende, fließt kein Geld. 37 Anträge sind „Hattingen solidarisch“ in diesem Jahr vorgelegt worden. Von Menschen, die Haushaltsgegenstände, Unterstützung bei Renovierung und Umzug oder Hilfe bei den Ausgaben für Strom brauchen.

Tropfen auf den heißen Stein

„Im Prinzip sind wir schon im Minus“, sagt Bernd Loewe. Die Finanzlage wird sich ausgleichen, wenn die „Offene Gartenpforte“, die „Hattingen solidarisch“ unterstützt, einen Teil des Eintrittserlöses weitergibt. Lions und HWG greifen den Helfern im Kampf gegen die Armut unter die Arme, auch andere sponsern den Verein, der „keine Vollversorgung sicherstellt, sondern in Notlagen hilft“.

Er prüft, ob die Anliegen berechtigt sind, unterstützt keine überzogenen Vorstellungen, verlangt von denen, die das Geld irgendwie aufbringen können, eine finanzielle Eigenbeteiligung von 50 Euro etwa für eine neue Waschmaschine. Lehnt sie ab, wenn die alte noch läuft. Und begegnet neuerdings Armut bei Flüchtlingen ebenso wie bei alteingesessenen Hattingern.

Bernd Loewe weiß, dass die Hilfe für Flüchtlinge angesichts der Gesamtzahl „ein Tropfen auf den heißen Stein“ ist. Für den Verein sind die Summen, die ausgegeben werden, aber hoch. Bezahlt wird, ein berechtigter Anspruch vorausgesetzt, chronologisch nach Eingang des Antrags. So ist jetzt einer Flüchtlingsfamilie mit elfjähriger, herzkranker Tochter und eineinhalbjährigem Sohn geholfen worden, den die kranke Mutter nicht tragen kann. „Es gibt nur Matratzen, keine Betten, keinen Kinderwagen“, sagt Loewe. „Ebenso bedrückend“ empfindet der 67-Jährige die Situation des psychisch kranken Mannes, der sein Geschirr seit zwei Jahren im Bad spült. Er bekommt einen Spülschrank.

Neben finanzieller Eigenbeteiligung wird Unterstützten auch Eigeninitiative abverlangt. Sie müssen sich etwa selbst nach einer gebrauchten Küche umsehen.

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