Hattingen solidarisch ist finanziell am Ende

Die Initiative Hattingen solidarisch stellte sich im März 2010 erstmals vor.
Die Initiative Hattingen solidarisch stellte sich im März 2010 erstmals vor.
Foto: WAZ FotoPool
35 000 Euro hat man seit 2010 zusammengetragen. Jetzt ist die Kasse leer. Der Verein kann keine Rücklagen mehr bilden und damit Menschen in Notlagen künftig nicht mehr helfen.

Hattingen..  „Noch vor einem Jahr hatten wir eine Reserve von 5000 Euro“, sagt Bernd Loewe, Vorsitzender von Hattingen solidarisch. Inzwischen lebt der Verein von der Hand in den Mund – fast so wie die Menschen, denen er hilft – und kann keine Rücklagen mehr bilden. Nicht nur das. Er kann den vielen dringenden Bedürfnissen von Menschen in Not nicht mehr nachkommen, weil er inzwischen selbst Unterstützung benötigt.

40 Anträge auf Sachleistungen liegen vor – doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Und die Kasse ist leer. Dabei ist Loewe eigentlich stolz auf das, was seit der Gründung im April 2010 erreicht wurde mit den seither zusammengetragenen 35 000 Euro. „Das ist viel für einen kleinen Verein.“ Die Spenden würden reichen, wäre die Nachfrage nicht so groß geworden. „Wir sind bekannter geworden“, sagt Loewe. Die Hilfe wird verstärkt angefordert.

Geld fließt nicht. Und wenn, dann an den Händler, bei dem die neue Waschmaschine gekauft wurde. Von gebrauchten Geräten hat der Verein Abstand genommen. „Energiekosten sind ein großes Problem für Menschen mit wenig Geld.“ Es reiche nicht zum Ansparen, um selbst für eine neue Waschmaschine zu sorgen. Wochenlang habe eine Familie ihre Sachen in der Badewanne gewaschen. Bei alten Geräten seien aber der Energieverbrauch und damit die Kosten sehr hoch.

„Wir gehen auch mit Leuten einkaufen“, erzählt der Vorsitzende. „Wenn die Wohnung renoviert werden muss, besorgen wir zusammen die Farbe dafür.“ Wenn es sich nicht gerade um alte Menschen handelt, die nicht mehr selbst streichen können, wird erwartet, dass die Betreffenden selbst aktiv werden. Für die anderen wird im Netzwerk nach einem Unterstützer gesucht, der in diesem Fall helfen kann.

Vereinsmitglieder begleiten auch auf Einkaufstouren zu Mäck-Möbel im HAZ – Hattingen Arbeit und Zukunft. Dort hat es Tränen gegeben, nachdem eine Mutter ein Kinderzimmer ausgesucht hatte. Ihr Kind hatte wochenlang auf dem Boden schlafen müssen. Ob Jung oder Alt – Hattingen solidarisch hilft allen Menschen in Not, hat aber die Erfahrung gemacht, dass Spendergeld lockerer sitzt, wenn es um Kinder geht. Dabei brauchen auch andere Menschen Unterstützung. Auch oder gerade wenn sie nicht selbst darum bitten und ihnen die Notlage peinlich ist. Wie die Hattingerin über 70, die ihre Urenkelin betreut. Mit Hartz IV sei das nicht zu schaffen, sagt Loewe. „Deprimierend: Die Menschen können sich keine Kinokarte leisten.“ Dabei sei die Altersarmut im Moment noch ehr gering. „Das wird sich ändern.“

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