Handwerker wollen sich einmischen

Geschäftsführer Johannes Motz, Frank Flörecke und Johann Philipps (v.li.).
Geschäftsführer Johannes Motz, Frank Flörecke und Johann Philipps (v.li.).
Foto: Kreishandwerkerschaft
Die neue Kreishandwerkerschaft präsentiert einen langen Wunschzettel.

Hattingen..  Sie bezeichnen sich selbst als die „Wirtschaftsmacht von nebenan“: Mehr als 43 300 Beschäftigte, knapp 4400 Auszubildende, fast 5800 Betriebe und ein jährlicher Umsatz von rund 3,3 Milliarden Euro – so sieht die Bilanz der Handwerksfirmen im Gebiet der neu geschaffenen Kreishandwerkerschaft Ruhr aus.

Es geht um ganz unterschiedliche Unternehmen: Maler und Lackierer, Metallbauer, Friseure, In­stallations- und Heizungsbauer, Zimmer- oder Uhrmachermeister. Das gemeinsame Interesse der Handwerker ist, in Gesellschaft und Politik mehr Gehör für die eigenen Belange zu finden. Auch deshalb haben sich die Kreishandwerkerschaften Bochum und Ennepe-Ruhr nun zusammengeschlossen. „Handwerk bedeutet, die eigenen Belange selbst in die Hand zu nehmen“, begründete Kreishandwerksmeister Johann Philipps die Fusion. „Früher war es sinnvoll, dass es um jeden Kirchturm eine eigene Kreishandwerkerschaft gab. Heute sind die Kommunikationswege andere und die Einsatzgebiete der Handwerksbetriebe größer.“ Zum Gebiet der Kreishandwerkerschaft Ruhr gehören die Städte Bochum, Breckerfeld, Ennepetal, Hattingen, Herdecke, Gevelsberg, Schwelm, Sprockhövel, Wetter und Witten.

Die Fusion sei nicht „aus der Not geboren“, betonte Philipps bei einem Empfang in Bochum. Er verwies aber auch darauf, dass die Kammer mit sinkenden Beitragseinnahmen aus den Betrieben kalkulieren müsse. Durch die Fusion sei es möglich, Kosten zu sparen.

Ein heikler Punkt bei Fusionen sind meist die Personalfragen. Stellvertretender Kreishandwerksmeister ist in diesem Fall der Wittener Frank Flörecke, der als Inhaber eines Metallbaubetriebs bisher das Amt des Kreishandwerksmeisters Ennepe-Ruhr hatte.

Johann Philipps präsentierte der Lokalpolitik einen langen Wunschzettel: Die Handwerksbetriebe wollen häufiger berücksichtigt werden, wenn öffentliche Aufträge vergeben werden. Sie fordern mehr Gewerbeflächen und einen stärkeren Kampf gegen Schwarzarbeit. Die Betriebe hoffen auch auf „mehr Mitspracherechte“ bei den örtlichen Arbeitsgerichten, sagte Philipps: „Wir möchten mehr Vorschläge für ehrenamtliche Richter machen.“

Arnim Brux, Landrat des Ennepe-Ruhr-Kreises, sieht auch das Handwerk gefordert. Die Branche müsse zeigen, „wie attraktiv der Handwerksberuf ist“, um qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen.

Bochums Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz erklärte, mit dem neuen Zusammenschluss im Handwerk entstehe „eine der bedeutendsten Mittelstandsvereinigungen in der Region“. Gerade „in Zeiten, die nicht einfach sind“, sei es wichtig, dass sich die Region auf engagierte Akteure in der Wirtschaft verlassen könne, sagte Scholz. Den Namen Opel nahm sie zwar nicht in den Mund, sie fügte aber hinzu, einige global agierende Großunternehmen hätten „manchmal nur den Profit im Auge“.

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