Gespräche mit dem Urwaldarzt

Michael und Heike Karsten, Reiner Küpp mit einem Kurzwellenempfangsgerät.Foto: Svenja Hanusch / WAZ FotoPool
Michael und Heike Karsten, Reiner Küpp mit einem Kurzwellenempfangsgerät.Foto: Svenja Hanusch / WAZ FotoPool
Alle reden über Facebook. Funkamateure haben eigene weltweite Kontakte.

Hattingen..  Mit Facebook kommunizieren Jugendliche auf der ganzen Welt miteinander. Das können die Funkamateure vom Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC) schon längst. Und sie wissen, wie es funktioniert, dass die Verbindung zustande kommt. Denn die Geräte bauen sie selbst. Außerdem gibt es beim Funken eine gewisse Spannung: Wem gehört die Stimme, die dort spricht? Zuerst rauscht es, dann folgt ein langer, hoher Ton, ein Fiepen – und plötzlich ist der Kontakt da: zu einem Menschen – irgendwo auf der Welt – der eine Geschichte zu erzählen hat.

Am heutigen Samstag, 19. Mai, können Interessierte die Funkamateure ab 11 Uhr auf dem Gelände der DLRG Süd an der Ruhr besuchen. Dort testen sie den Funkbetrieb, haben ihre Funkanlagen aufgebaut. Bis zu sieben Meter hohe Antennen stehen auf dem Rasen. „Um weltweit Verbindungen zu anderen Funkamateuren aufnehmen, sprechen wir den Code CQ ins Mikrofon, er bedeutet, dass man einen allgemeinen Anruf tätigt, Kontakt zu anderen aufnehmen möchte. Jeder, der sein Funkgerät auf diese Frequenz dreht, kann uns hören“, erklärt Michael Karsten (47), Vorsitzender der DARC-Ortsgruppe Hattingen. Zunächst tauschen die Sprecher ihren Namen und ihren Standort aus. Mit Glück erfährt man eine unglaubliche Geschichte wie die folgende. „Ich habe den Urwaldarzt Alexander Bendoraitis kennengelernt, der am Fluss Mamoré zwischen Brasilien und Bolivien Krankenhäuser gebaut hat. Sein Vorgänger war verschwunden, der Urwaldarzt nahm an, dass er von Kannibalen aufgefressen wurde“, sagt Reinhard Köpp (60). „Er hat mir alles sehr glaubhaft erzählt, das war vor etwa zwanzig Jahren, ich habe zwei Jahre lang fast jeden Abend mit ihm über Funk gesprochen. Und er hat mich dann auch zu Hause besucht, er kannte Hattingen, weil er in Essen seinen Doktor gemacht und während der Zeit hier gewohnt hat. Von mir zu Hause aus hat er über Funk Kontakt zu seiner Heimat Litauen aufgenommen, das klappte aus Brasilien nicht. Er hat sich so gefreut, dass er geheult hat. Dann ist er zurück in den Urwald gegangen und wurde bei einem Überfall auf das Krankenhaus erschossen.“

Außerdem hat Reinhard Köpp auch noch zugehört, wie holländische Schüler über Funk Fragen an Astronauten der ISS gestellt haben. „Sie haben gefragt, wie sie im Raumschiff zur Toilette gehen können oder was sie dort essen“, berichtet Reinhard Köpp, „Astronauten der ISS sind auch Funkamateure und sprechen regelmäßig mit Schülern auf der ganzen Welt.“

Auch Michael Karsten führte schon ein aufregendes Gespräch über Funk. „Ich habe mit einem Wissenschaftler von der Forschungsstation Neumayer III gesprochen. Er hieß Felix und hat gesagt, dass es bei ihnen schön eisig kalt ist.“

Doch abgesehen vom Spaß können Funkamateure wichtig in Notsituationen sein. „Wenn ein Tsunami oder andere Naturkatastrophen einen Ort zerstört haben, die Telefone und anderen Verbindung nicht mehr funktionieren, können Funkamateure schnell ihre Geräte mit Batterien aufbauen und Kontakt aufnehmen“, erklärt Michael Karsten.

Die 59 Funkamateure in Hattingen kennen sich mit der Technik aus, bauen ihre Geräte selbst. „Im SMS-Schreiben sind die jungen Leute Weltmeister, aber sollen sie einen Lötkolben oder einen Schraubenzieher in die Hand nehmen, sind viele überfordert. Deshalb ist es uns wichtig, Jugendlichen die Technik, die dahinter steckt, zu erklären.“ Mitglied Malte Martin (14) baut an einem Aufladegerät mit Solarzellen für sein Handy. Jetzt orten er und die anderen Funkamateuren mit selbst gebauten Handgeräten Fledermäuse an der Ruhr.

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