Germany verzaubert US-Girl

Kira Vanden Torn hat am Hattinger Gymnasium Deutsch gelernt und nebenbei den Karneval, die Weihnachtsmärkte und das Oktoberfest genossen.
Kira Vanden Torn hat am Hattinger Gymnasium Deutsch gelernt und nebenbei den Karneval, die Weihnachtsmärkte und das Oktoberfest genossen.
Foto: WAZ FotoPool
„In Amerika hat man nur Amerika.“ Doch hier in Deutschland, in Europa, da fahre man wenige Stunden und habe direkt eine andere Kultur, eine andere Landschaft. Oder kurzum: „Ich mag es hier!“

„In Amerika hat man nur Amerika.“ Doch hier in Deutschland, in Europa, da fahre man wenige Stunden und habe direkt eine andere Kultur, eine andere Landschaft. Oder kurzum: „Ich mag es hier!“

Kira VandenTorn (16) kommt aus Amerika, aus Michigan. „Und ja“, meint sie, „das ist fast schon Kanada.“ Ihren nicht gerade amerikanischen Nachnamen hat sie vom Papa, einem Holländer. Seit einem Jahr lebt sie hier in Deutschland, als Austauschschülerin, bei ihrer Gastfamilie Klewer in Sprockhövel.

Sie genießt gerade ihre letzten Tage in Deutschland, am 6. Juli verlässt ihr Flieger gen Heimat das Rollfeld. Sie verzieht angewidert das Gesicht. „Das wird dann ein ziemlich langer Tag.“ Dafür hat sie ihren Lieben daheim dann aber einiges zu erzählen. Und: „Ich könnte die Erlebnisse sogar auf Deutsch schildern.“

Denn nach einem Jahr hat sie die neue Sprache fast perfekt drauf. Nein, Artikel – der, die, das – mag sie nicht. Und was sich die Deutschen bei ihrer Grammatik gedacht haben, bleibt ihr wohl auch ewig ein Rätsel. Als gewöhnungsbedürftig empfand sie auch „Denglisch“, den Mix aus Deutsch und Englisch – oder Wörter, die im amerikanischen Englisch eine ganz andere, recht schlüpfrige Bedeutung haben.

Schockiert sei ihr bei einer Äußerung mal ein „Du machst bitte was?“ über die Lippen gekommen, erzählt sie etwas schüchtern. Sie fing sprachlich übrigens fast bei null an. YFU veranstaltete zwar einen Sprachkurs. „Doch in einem Monat eine neue Sprache zu lernen? Unmöglich!“ Es dauerte daher eine Zeit, bis sie alles verstehen konnte und bis sie einhergehend über die Sprache auch neue Freundschaften schließen konnte. Und da sei sie schon sehr froh gewesen, ihre Gastschwester an der Seite zu haben, die zuvor bei ihrer Familie in Amerika gewohnt habe.

Kira beschränkte ihren Besuch in Deutschland aber nicht nur auf Sprockhövel und Hattingen, sie tourte stattdessen mit der Austauschorganisation durch die Lande. Anfangs ging es durch den Pott – zum Shoppen in den Ruhrpark, dann ab in die Hauptstadt, dann nach Bayern zum Oktoberfest (und schon wieder eine neue Sprache!). „Die hat man noch schwerer verstanden, aber es war richtig toll.“ Auch ein Abstecher nach Holland sowie in die Schweiz standen auf dem Programm. Den Kontakt nach Hause hielt sie dabei regelmäßig. Zu Weihnachten gab es Päckchen von der Familie, sie schrieb Briefe oder skypte alle acht Wochen mal mit Freunden.

Heimweh, ja, habe sie anfangs auch gehabt. Doch jetzt packt sie schon wieder das Fernweh. „Ich muss wieder zurück nach Deutschland kommen. Hier gibt es noch so viel zu sehen. Und so unähnlich sind die Länder gar nicht.“ Das Schulsystem dagegen schon. „Hier heißt es immer nur: Schule, Schule, Schule.“ Doch so schlimm finde sie das gar nicht. Und eine Sache hat sie richtig schätzen gelernt.

„Die 20-Minuten-Pausen sind richtig cool. Wir haben immer nur fünf Minuten Pause.“ Aber es gebe noch andere Vorteile. Schon mit 16 abends weggehen und mit Freunden mal ein Bierchen trinken. Da müsse sie zu Hause noch warten, bis sie 21 ist. Und Weihnachtsmärkte! Denn so bunt bei Kira daheim auch Weihnachten gefeiert wird. Weihnachtsmärkte gibt es nicht.

Oder Karneval. „Als Rotkäppchen verkleidet.“ Oder, oder, oder. Jetzt habe sie schon fast wieder Heimweh – nach Deutschland.

 
 

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