Generalprobe mit Pina Bausch

Foto: WAZ FotoPool
Szenen aus dem Tanztheater der berühmten Choreographin: Der Kunstverein zeigt großformatige Fotografien im Alten Rathaus.

Hattingen..  Pina Bausch ist im Alten Rathaus zu sehen. Es sieht so aus, als trage die berühmte Theater- und Tanzchoreographin ein einfaches weißes Nachthemd. Sie steht zur Seite gedreht, ihr aschfarbenes Haar hängt im Zopf den Rücken hinunter. Augen geschlossen, Brauen verzogen. „Dieses Motiv ist eine Szene aus ihrem Stück ,Café Müller‘. Bis zum Schluss trat sie darin auf“, erklärt Christiane Nicolai, Vorsitzende des Kunstvereins.

Zahlreiche Besucher kamen zur Ausstellungseröffnung des Kunstvereins, der 22 Fotografien präsentiert. Sie zeigen Schauspieler aus Pina Bauschs Ensemble – bei Generalproben. Alle Aufnahmen stammen von Laszlo Szito (60). Er hat Pina Bauschs Stücke seit den Anfängen begleitet, 30 von 36 Produktionen fotografisch festgehalten. Christiane Nicolai: „Dadurch ist ein komplexer, authentischer Überblick über das Gesamtwerk Pina Bauschs entstanden, aus dem hier ein Querschnitt zu sehen ist.“

Laszlo Szito hat am Tanztheater Pina Bausch in Wuppertal mehr als 18 000 Fotografien gemacht und die Choreographin dabei persönlich kennengelernt. „Sie war sehr zurückhaltend, hat kaum etwas gesagt, ihre Sprache war die Bühne“, weiß Laszlo Szito. „Bei den Generalproben hat sie zugeschaut, die Fehler mit den Schauspielern erst danach besprochen.“ Besonders gefällt dem Fotografen das Stück „Victor“. Das Außergewöhnliche: „Ihre Stücke haben keine wirkliche Handlung. Am Anfang steht meist ein Gefühl, eine Geste, auf die sie dann in vielen aneinandergereihten Szenen antwortet.“

Während einer Generalprobe hat der Fotograf bis zu 800 Aufnahmen gemacht. „Als die Technik noch analog war, habe ich viele Filme verballert. Manchmal waren am Ende nur vier gute Fotos dabei. Mit der digitalen Kamera ist das heute einfacher.“

Laszio Szito fing die Bewegungen ein, das Licht- und Schattenspiel, den Ausdruck, die Körperspannung der Schauspieler beim Bühnenauftritt und hält sie bis heute fest. Die Motive sind ausgefallen, verrückt und künstlerisch: In kahlen Zweigen hängen die langen schwarzen Haare einer Frau – eine Szene aus „Rough Cut“. Ein anderes Bild zeigt einen Mann, der hohe Lackschuhe und sonst nur eine kurze Hose trägt. Von seinem Kopf stehen Zigaretten zu allen Seiten ab. Er erinnert an die Freiheitsstatue: Das ist der Schauspieler Andrey Berezin im Stück „Palermo, Palermo“. Christiane Nicolai: „Die Tänzer, die sie auswählte, waren der Figur nach Alltagsmenschen und mussten alle Emotionszustände des Menschen demonstrieren können. Pina Bausch choreographierte ein Stück, ließ es als neues Stück aufführen und gab ihm erst nachträglich einen Titel.“

So war Pina Bausch (1940-2009). Sie war künstlerische Leiterin des Folkwang Balletts und der Ballett-Sparte am Opernhaus Wuppertal. Und zeigt sich ganz schlicht in einem weißem Nachthemd.

 
 

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