Gemeinsam auf Mörderjagd

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Hattinger Jungautorinnen stellen heute in der Stadtbibliothek ihren Erstling vor. Wiener Opfer tragen wertvollen Schmuck

Hattingen.. Der Mörder tötet nachts mit einem Dolch und seine Opfer haben etwas gemeinsam: Sie tragen wertvolle Schmuckstücke von einem Juwelier aus Wien um den Hals. Dort spielt der Kriminalroman „Die Muse des Mörders“. Die beiden Jungautorinnen Sarah Wedler (25) und Nadine d’Arachart (26) lesen am heutigen Montagabend im Rahmen der Kinder- und Jugendbuchwoche in der Stadtbibliothek zum ersten Mal Publikum daraus vor.

Die beiden Hattingerinnen machen fast alles zusammen. Beide studieren Sozialwissenschaften an der Ruhr-Universität in Bochum, beide lesen gerne Krimis von Stephen King. Gemeinsam schreiben sie Geschichten und Drehbücher schon seitdem sie zwölf Jahre alt sind. Kennengelernt haben sie sich in der fünften Klasse am Gymnasium Holthausen. Da verwundert es nicht, dass sie auch ihre erste eigenständige Publikation zusammen geschafft haben.

Weil der Schauplatz des grausamen Geschehens in Wien liegt, reisten die jungen Frauen im vergangenen Februar dort hin, um sich vor Ort inspirieren zu lassen. „Wir haben uns den ganzen Tag die Stadt und die Sehenswürdigkeiten angesehen“, sagt Sarah Wedler. „Und uns überlegt, wo könnte der Mörder, wo die Figuren unseres Krimis wohnen“, ergänzt Nadine d’Arachart. „Wenn man in Wien nachts durch die Straße geht, kommt dafür die richtige Stimmung auf. Allerdings wirkt alles überraschend friedlich, anders als in Großstädten bei uns im Ruhrgebiet.“ Außerdem begeisterten sie sich für die Architektur in Wien. „Es sieht dort alles aus wie eine wunderschöne Kulisse“, schwärmt Sarah Wedler.

Zuhause haben sie ihre Eindrücke dann in die Geschichte eingebaut, passagenweise den Roman geschrieben und gegenseitig überarbeitet. „Ich könnte heute nicht mehr sagen, was ich geschrieben habe, und was nicht“, sagt Sarah Wedler. Ihr Roman greift Motive von E.T.A. Hoffmanns Geschichte „Das Fräulein von Scuderi“ auf.

Eine weitere Herausforderung: Die Protagonistin in ihrem Roman ist eine 73-jährige Frau. „Es ist schwierig, sich als junger Mensch in eine alte Dame einzufühlen. Wir haben daher zunächst viel von älteren Schriftstellerinnen gelesen. Meine Oma geht auch auf die 80 Jahre zu“, sagt Sarah Wedler. „Die Augen von Autoren müssen immer offen sein, alles beobachten“, stimmt Nadine d’Arachart zu. „Figuren lassen sich manchmal schwer in eine Richtung lenken, oft ergibt sich der Charakter aber von selbst. Dafür fragen wir uns, wie die Kindheit der Figur war und welche sozialen Bindungen sie hat.“ Dann erwacht der Chefinspektor Dominik Greve oder die alternde Schriftstellerin Madeleine Scuderi nach und nach zum Leben. Beide Charaktere versuchen übrigens den gefährlichen Fall zu lösen.

Die zwei Autorinnen verraten: „In jedem Buch steckt auch etwas von einem selbst. Was man kennt, das lässt man ins Buch einfließen.“ Manchmal hat das zur Folge: „Dass einen jemand anspricht: Das haben wir doch so ähnlich zusammen erlebt.“

Die Lesung am heutigen Montagabend ist der Auftakt für die zwei Jungautorinnen. In diesem Jahr sind bereits zwanzig weitere Veranstaltungen geplant. Das bedeutet: Die Muse des Mörders zieht weiter.

 

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