Freie Fahrt für 78,80 Euro im Jahr

Klaus Bröking
Verkehrsausschuss des EN-Kreises diskutiert die Zukunft des Nahverkehrs.

Hattingen.  Was wäre wenn? Wenn zum Beispiel jeder Bürger des Ennepe-Ruhr-Kreises 78,80 Euro pro Jahr für den Öffentlichen Nahverkehr zahlen würde? Dann könnte er kostenlos die Busse zwischen Breckerfeld und Witten benutzen. Nein, die Idee stammt nicht von den Piraten, Grünen oder Linken. Walter Faupel von der CDU stellte sie den Mitgliedern des Ausschusses für Kreisentwicklung, Wirtschaft und Verkehr vor.

Die Voraussetzungen für den Nahverkehr werden sich ändern. Das schreiben entsprechende europäische und deutsche Gesetze vor. Der Stichtag dafür ist zwar erst Mitte 2019, aber die ersten Vorbereitungen laufen bereits. Der Ennepe-Ruhr-Kreis will ein Gutachten in Auftrag geben, wie es mit dem Busverkehr in Zukunft weitergehen soll. Das entbindet die Politik aber nicht davon, sich Gedanken zu machen.

Und das hat der Ennepetaler Christdemokrat Faupel getan. Seine Rechnung ist einfach: Er teilt die rund 26 Millionen Euro, die die Verkehrsgesellschaft Ennepe-Ruhr (VER) im Jahr an Kosten hat, durch die Einwohnerzahl des EN-Kreises von etwa 330 000 Frauen und Männer, Senioren und Babys. So kommt er auf 78,80 Euro pro Jahr. „Ich habe das provozierend gesagt“, fügt Faupel hinzu. Er wolle zeigen, dass neue Ideen gefragt sind, um die Probleme des ÖPNV zu lösen. Und diese Probleme sind eigentlich einfach zu erklären. Die Städte stöhnen, weil die Kreisumlage, die sie zahlen müssen, zu hoch ist. Der Kreis schaut, wo er sparen kann, und stellt fest, dass immer mehr Millionen in den Busverkehr gesteckt werden müssen. Er will Linien streichen, auf denen die Fahrzeuge meist leer unterwegs sind. Die betroffenen Städte protestieren und verhindern die Stilllegung.