Förderverein will Entscheidung über Stadtmuseum entschleunigen

Sorgt für frostige Atmosphäre: die Diskussion um die Zukunft des Stadtmuseums (Bildmitte).
Sorgt für frostige Atmosphäre: die Diskussion um die Zukunft des Stadtmuseums (Bildmitte).
Foto: Hans Blossey

Hattingen..  Förderverein des Stadtmuseums ist entsetzt über Fusionspläne mit Witten und mahnt: Entscheidung entschleunigen.

Skepsis und Entsetzen – so lässt sich die Stimmung im Förderverein des Stadtmuseums beschreiben. Auslöser sind die Pläne der Stadtspitze für eine Kooperation des Stadtmuseums mit dem Märkischen Museum Witten und einen Umzug des Kulturbüros nach Blankenstein. Der Förderverein hat darauf mit einer außerordentlichen Versammlung reagiert. Rund 50 Mitglieder kamen am Dienstagabend ins Museum.

Die meisten verständnislos wie Dr. Jürgen Wilbert: „Es ist ein Trauerspiel und ein klares Misstrauensvotum gegenüber der Museumsleitung. Mir fehlen die Worte“, sagte der ehemalige VHS-Leiter unter viel Beifall. Museumsleiterin Petra Kamburg hatte auf eine Teilnahme an der Versammlung verzichtet.

Förderverein müsse „klar Position beziehen“

Wilbert forderte, der Förderverein müsse klar Position beziehen, und übte Kritik an dessen Stellungnahme: „Der Vorschlag der Verwaltung sollte nicht begrüßt werden.“ Künstler Egon Stratmann meinte: „Die Kultur ist die Seele der Gesellschaft – ist das eigentlich allen bewusst?“

Dieter Liebig, Vorsitzender des Fördervereins, las eine Stellungnahme von Hans Hartung vor, der die Verantwortung aller ansprach, die an der Museumsgründung beteiligt waren. „Folgekosten inbegriffen.“ Warum müsse ausgerechnet beim Museum gespart werden, fragt Hartung.

Dort knüpfte Wolfgang Hermes an: „Kultur wird nur über Finanzen definiert. Die Verwaltung ist mit Kultur überfordert.“ Auch Robert Laube, Mitglied des Fördervereins und Leiter des Industriemuseums, lenkte den Blick auf die fehlende Diskussion in der Stadt und warb für eine Entschleunigung des Prozesses. Es werde geldkritisch statt aufgabenkritisch diskutiert. „Wir müssen uns fragen: Was wollen wir für eine Kulturarbeit in der Stadt?“, so Laube.

„Nur eine professionelle Museumsarbeit“ vorstellbar

Der Förderverein machte erneut klar, dass er sich nur eine professionelle Museumsarbeit vorstellen kann. Schon jetzt werde die Aufsicht von Ehrenamtlern erledigt, sagte Wilbert zu Gerd Modemann. Der CDU-Stadtverordnete hatte gefragt, ob der Verein noch mehr leisten könne. Der Vorlage der Verwaltung werde seine Fraktion nicht zustimmen. „Ich verstehe die Vorlage nicht, es gibt keine konkrete Planung, die Ersparnisse werden nicht genannt und auch ein Umzug kostet ja Geld.“ Zudem gehöre das Kulturbüro in die Innenstadt – wegen des Kundenverkehrs.

Henning Sandmann von der Bürgergesellschaft Blankenstein, neues Mitglied im Förderverein, sagte: „Ich bin entsetzt. Die Vorlage ist ideenlos, viel zu einfach gestrickt .“

Marlis Fry (SPD), Vorsitzende des Kulturausschusses, sagte: „Es ist kein Problem uninteressierter Kulturpolitiker. Ich habe mehr das Gefühl, dass einer gegen den anderen ausgespielt wird.“ Jürgen Wilbert bekräftigte: „Was hier steht, ist nicht entscheidungsreif. Es ist ein Blankoschein, vor allem wenn die Wittener Museumsstelle noch nicht besetzt ist.“

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