Facebook-Profil für Emmy Roth

Preisverleihung mit Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert, Oberbürgermeister Thomas Eiskirch, Lehrerin Judith Nockemann und Schülern. Foto:Ingo Otto
Preisverleihung mit Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert, Oberbürgermeister Thomas Eiskirch, Lehrerin Judith Nockemann und Schülern. Foto:Ingo Otto
Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services
  • Schüler beschäftigen sich mit jüdischen Persönlichkeiten aus Hattingen
  • Erster Platz für Realschüler der Grünstraße
  • Gymnasiasten der Waldstraße landen auf Platz vier

Hattingen.  Emmy Roth, als Künstlerin in aller Welt geschätzt, stammte aus einer der bedeutendsten jüdischen Familien in Hattingen. Der evangelische Religionskurs der Neuntklässler der Realschule Grünstraße realisierte nicht nur einen Film über die Silberschmiedin, sondern auch ein Facebook-Profil und einen Ausstellungskatalog und sicherte sich damit den ersten Platz beim Dr. Otto-Ruer-Preis, der mit 750 Euro dotiert ist.

Der Preis wurde zum zweiten Mal ausgelobt. Und ging zum zweiten Mal an die Realschule Grünstraße. Das Gymnasium Waldstraße nahm zum ersten Mal am Wettbewerb teil und landete auf dem vierten Platz, wofür es eine Anerkennung von 200 Euro gab. Die Hattinger schrieben ein fiktives Tagebuch des Rabbiners Hans Andorn, der das Realgymnasium an der Waldstraße besucht hatte. Darin kommt eine Liebesgeschichte vor. Andorn starb am 26. Februar 1945 an Unterernährung. Er überlebte das Konzentrationslager Bergen-Belsen nicht.

Dass es insgesamt nur sieben Beiträge gab – wie auch beim ersten Wettbewerb – schreibt Heinz Niggemann, Mitglied der Jury und Leiter des Gymnasiums Waldstraße, weniger mangelndem Interesse am Thema zu als der Tatsache, dass Schulzeitverkürzung und Lehrplan kaum Zeit lassen für Außerschulisches. Birte Gottsch, Amelie Hennig und Julia Netzel hätten sich außerhalb des Unterrichts mit dem Wettbewerb befasst. Das gilt auch für die sechs Schülerinnen und Schüler der Realschule an der Grünstraße. Für beide jüdische Persönlichkeiten, mit denen sich die jungen Leute auseinandersetzten, wurden in Hattingen bereits Stolpersteine zur Erinnerung verlegt.

Die Silberschmiedin wurde 1885 als Tochter von Jakob Urias geboren. Kunst und Kultur waren, so Stadtarchivar Thomas Weiß, bei dem die Grünstraßen-Schüler einen Teil des Films drehten, wichtige Bestandteile des Familienlebens. Emmy Roth, ausgebildet in Düsseldorf, Wien und Paris, emigrierte 1933 nach Frankreich und arbeitete als Silberschmiedin in Palästina. Sie soll den großen Lüster für die Jerusalemer Synagoge angefertigt haben. Als sie in Tel Aviv an Krebs erkrankte und Ärzte vor Ort keine Heilungschancen sahen, sah die 57-Jährige, so das Stadtarchiv, „als einzigen Ausweg die Flucht in den Tod“.

 
 

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