Experten für Erdäpfel

Ewa Sieminovic und Ivusa Tomic schälen die Kartoffeln auf dem Hof von Bauer Isenberg im Ortsteil Herzkamp.
Ewa Sieminovic und Ivusa Tomic schälen die Kartoffeln auf dem Hof von Bauer Isenberg im Ortsteil Herzkamp.
Foto: WAZ FotoPool
Die Kartoffel hat eine mehr als 8000 Jahre alte Geschichte, in Deutschland ist der Erdapfel sogar so beliebt, dass andere seine Einwohner etwas despektierlich nach ihr benennen. In Sprockhövel, in Herzkamp, ist Wilhelm Isenberg so etwas wie ein Kartoffel-Experte.

Sprockhövel.. Die Kartoffel hat eine mehr als 8000 Jahre alte Geschichte, in Deutschland ist der Erdapfel sogar so beliebt, dass andere seine Einwohner etwas despektierlich nach ihr benennen. In Sprockhövel, in Herzkamp, ist Wilhelm Isenberg so etwas wie ein Kartoffel-Experte.

Seine erste Berührung mit dem Erdapfel hatte Wilhelm Isenberg (68) schon früh im Leben, „als Halbwüchsiger“. Zum einen mit dem Nahrungsmittel: „Typisch waren Pellkartoffeln mit Heringsstipp, und Salzkartoffeln gab es fast jeden Tag.“ Zum anderen mit dem Produkt, das auf den elterlichen Äckern in Herzkamp Pflege brauchte: „Das war mit Mühe und Arbeit verbunden“, zum Beispiel beim Entfernen von Unkraut.

Der Weg zum Experten war da für Wilhelm Isenberg aber noch nicht vorauszusehen. Auch noch nicht nach landwirtschaftlicher Lehre und Studienanfang zum Agraringenieur. „Erst mit der Übernahme des Hofes zu Beginn der 1960er Jahre bin ich vollends auf die Kartoffel gekommen“, sagt Wilhelm Isenberg. Zunächst baute er den Kartoffelverkauf aus, der neben dem Viehbetrieb und dem Verkauf im hofeigenen „Kolonialwarenladen“ zum Standbein wurde.

Seine „Sternstunde“, in Sachen Kartoffel erlebte Wilhelm Isenberg fast zehn weitere Jahre später, als er von einem Kartoffelschälbetrieb in Wuppertal hörte. „Das ging mir nicht mehr aus dem Kopf“, sagt er im Rückblick. 1970 kaufte er den betreffenden Betrieb in Wuppertal und siedelte ihn auf seinen Hof nach Herzkamp über. Nach dem Fall der Mauer kaufte Isenberg zusätzlich zum heimischen Anbaugebiet 150 Hektar Fläche für seine Kartoffeln südlich von Potsdam und brachte sie von dort nach Hause zum Weiterverarbeiten. Die geschälten Erdäpfel lieferte er an große Verbrauchermärkte, Großküchen und Restaurants im Umfeld.

Auch heute noch gingen 80 Prozent der in Herzkamp zu Würfeln oder Scheiben verarbeiteten Erdäpfel nach Wuppertal und in die nähere Umgebung, sagt Wilhelm Isenberg, der 1998 den Betrieb an seinen Sohn Karsten übergeben hat, auf den die Leidenschaft des Vaters abgefärbt hat.

Der Erdapfel habe sein Leben mitgeprägt, sagt Wilhelm Isenberg heute, und deshalb ist er auch kaum zu stoppen, wenn er über sie spricht. Immer wieder kommt er zum Preußenkönig Friedrich dem Großen (1712-1786), der einmal die Devise „Kartoffel statt Trüffel“ ausgegeben haben soll. Spätestens durch Friedrichs Förderung wurde die Kartoffel, ursprünglich aus Südamerika nach Europa importiert, zu einem der wichtigsten Nahrungsmittel auf dem Kontinent. Seit ihrer Einführung, so der Landwirt, habe es weniger Hungersnöte gegeben. Heute gibt es zwar keine Hungersnöte mehr, aber den Selbstanbau kann Wilhelm Isenberg trotzdem nur empfehlen. „Sie ist eine Kultur für lockeren, warmen Boden“, sagt er. Die Kartoffel müsse man Anfang Mai pflanzen, so tief wie die Kartoffel dick sei. „Das ist ein guter Ansatz.“ Und wenn die Pflanze getrieben hat, müsse Erde beigetrieben werden, damit die Knollen nicht grün würden. Denn dann habe sich Solanin gebildet, eine giftige Substanz.

Die Kartoffel hat also mit Solanin zu kämpfen, in ihrer Form als fettige Pommes manchmal auch mit schlechtem Image. Wilhelm Isenberg sagt trotzdem voller Überzeugung: „Die Kartoffel wird weiterhin eine wichtige Rolle in der Ernährung spielen.“

 

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