„Es ist noch viel zu tun“

Vor einem Jahr signalisierte die Bundeskanzlerin beim Thema Flüchtlinge: „Wir schaffen das“. Welchen Blick hat die Flüchtlingshilfe Sprockhövel auf dieses Thema? Fragen an Miriam Venn, Kopf und Herz der Ehrenamtler.

Wie steht es um die Willkommenskultur in Sprockhövel?

Man muss sagen, wir als Flüchtlingshilfe haben viel geschafft, die Flüchtlingsarbeit ist weit gediehen, es ist aber noch viel zu tun.

Was kritisieren Sie?

Die Traglufthalle entspricht nicht der Unterbringung von Geflüchteten, wie wir sie uns vorstellen. Die Stadt hindert aber die Geflüchteten und unsere ehrenamtlichen Paten daran, bei der Wohnungssuche initiativ zu werden. Nur in Härtefällen dürfen Geflüchtete noch private Wohnungen anmieten.

Wie groß ist Ihr Netzwerk?

Es umfasst rund 300 aktive Leute, und gut alle zwei Wochen kommen neue Leute dazu – jüngst ein Übersetzer für Arabisch und Kurdisch. Und die Anzahl von Mitstreitern, die sich im Netzwerk gleich in mehreren Bereichen einbringen, steigt. Also etwa Paten, die zusätzlich Kleinkindgruppen betreuen und auch ab und zu kochen. Die Ausdauer ist beachtlich.

Es wird immer die zentrale Bedeutung des Sprachunterrichts hervorgehoben. Gibt es Fortschritte?

In diesem Bereich verzeichnen wir große Fortschritte. Anfangs lief Kommunikation mit Händen und Füßen, heute kann man dank der zahlreichen Sprachkurse schon mit vielen schon anspruchsvollere Gespräche führen.

Gab es Rückschläge? Haben Ehrenamtler aufgehört?

Rund zehn Leute sind gegangen, einige aus beruflichen Gründen. Keine Frage, viele von uns kommen zwischenzeitlich ans Limit. Dabei ist Pate die anstrengendste Aufgabe. Da muss man auch mal Frust verkraften, wenn Ablehnungsbescheide kommen oder die Arbeitserlaubnis auf sich warten lässt.

Kommen neue Ehrenamtler nach?

Jeden Monat bringt irgendjemand aus der Flüchtlingshilfe ein neues Projekt auf den Weg. Im September wird das die Hausaufgabenhilfe sein. Die ist übrigens nicht nur für Flüchtlingskinder, sondern spricht auch gezielt einheimische Kinder an. Das fördert die Integration und das Verständnis.

Wie reagiert die Bevölkerung auf die Flüchtlinge im Stadtbild?

Da wir zusehen, sie zu allen möglichen öffentlichen Ereignissen wie Nach(t)schlag oder Trödelmarkt mitzunehmen, sind sie Teil unserer Gesellschaft geworden, sie werden größtenteils akzeptiert. Fremdenfeindlich sind aber die Kommentare in den sozialen Netzwerken.

Wann wird Ihre Arbeit beendet sein?

Wegen dieses Engagements liegt meine Doktorarbeit auf Eis, ich habe kaum Zeit mehr zu tanzen. Im Ernst: Flüchtlinge wird es immer geben. Unsere Arbeit für die Flüchtlinge jetzt endet erst, wenn sie hier ein normales Leben führen können.

 
 

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