Erster Hattinger Schnadegang

Der Heimatverein und der Sauerländer Gebirgsverein lassen die alte Tradition der Grenzbegehung wieder aufleben: den Schnadegang. Am Sonntag startete die erste von insgesamt fünf jeweils zwölf Kilometer langen Touren am Bügeleisenhaus – mit erstaunlich reger Resonanz.

Hattingen..  Ganze 208 Jahre sind vergangen, seit in Hattingen der letzte Schnadegang stattgefunden hat. Bäume und Steine dienten damals als Grenzmarkierungen. Der Schnadegang hat in Westfalen eine lange Tradition: An einem bestimmten Tag im Jahr wurde die Grenze abgegangen und kontrolliert – das Ganze entwickelte sich zum Volksfest mit zig Teilnehmern. In diesem Jahr soll diese alte Tradition in Hattingen wiederbelebt werden. Der Heimatverein und der Sauerländer Gebirgsverein, Abteilung Hattingen, haben einen Rundgang in fünf Etappen organisiert. Treffpunkt zur ersten Runde war am Sonntagmorgen das Bügeleisenhaus – und der Andrang war erstaunlich groß.

„Ich bin wirklich überrascht“, gab Lars Friedrich, Vorsitzender des Heimatvereins, zu. „Mit so vielen Wanderlustigen haben wir nicht gerechnet.“ Besonders freute er sich über die jungen Teilnehmer – sogar ein Kinderwagen fuhr mit. Etwa hundert Wanderer zogen gegen halb elf los, zuerst ging es Richtung Ruhr. Weiter führte die Route über die Dumberger Au nach Niederwenigern, an der Bochumer Stadtgrenze entlang. Etwa vier Stunden waren eingeplant, die Gruppe zog sich mit der Zeit zunehmend auseinander. Auf der Hälfte der Strecke wurden Wanderpässe verteilt.

„Wer bis September an mindestens drei der fünf Wanderungen teilgenommen hat, erhält den Hattinger-Schnadegang-Pin“, erzählte Meinolf Gaupp vom SGV Hattingen. Der Wanderverein zählt etwa 330 Mitglieder, regelmäßig finden Veranstaltungen statt. Seit 17 Jahren leitet Meinolf Gaupp den Hattinger Rundweg, der dem Schnadegang sehr ähnelt. „Die Stadtgrenze ist heute unsichtbar geworden“, weiß er. „Man muss auf Wanderkarten schon sehr genau hinschauen, um sie ausfindig zu machen.“

Bei jeder Etappe wird die Wandergruppe unterwegs von einem Ortskundigen über das Gebiet aufgeklärt, am Sonntag stieß Dieter Bonnekamp vom Heimat- und Burgverein Altendorf zur Gruppe. Beim nächsten Mal wird die Isenburg im Vordergrund stehen, auch das Museum kann besichtigt werden. Zum Schluss kehrt die Gruppe in eine Gaststätte ein, um sich zu stärken. Auch Dirk Sondermann, seit 30 Jahren Sagensammler in der Region, war am Sonntag mit dabei: An einem Schauplatz der Hattinger Sagenwelt lief die Gruppe sogar vorbei. Die Herrin von der alten Burg an der Ruhrbrücke, deren Ruinen noch heute das Fundament vom Haus Kliff bilden, soll einst einen goldenen Ring in die Ruhr geworfen haben, mit den Worten: „Sowahr dieser Ring nie wieder zum Vorschein kommt, wird unser Reichtum nicht untergehen.“ Am nächsten Freitag war Fischtag, was die Burgherrin auf ihrem Teller fand, kann man sich denken – ihren Ring. Ihr Reichtum soll der Sage nach nur noch von kurzer Dauer gewesen sein. . .

 
 

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