Erste Potenzialanalyse von Gymnasiasten

Potenzialanalyse in der Klasse 8b.
Potenzialanalyse in der Klasse 8b.
Foto: Fischer
Im Rahmen der Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“ werden Tests ab dem Jahr 2018für alle Achtklässler verbindlich. In Holthausen nahmen jetzt schon vier Klassen teil.

Hattingen..  An den meisten Schulformen gehörte sie schon dazu, neu ist sie am Gymnasium: die Potenzialanalyse. Bis zum Jahr 2018 wird sie für alle Achtklässler Pflicht. Das Schulzen­trum Holthausen wartete nicht so lange und ließ seine mehr als hundert Schülerinnen und Schüler in den vier achten Klassen schon in diesem Schuljahr testen.

Wovon nicht alle Eltern begeistert waren, wie der zuständige Lehrer am Gymnasium Holthausen, Michael Möller, einräumt. „Noch ein Test“, sei kritisiert worden. Er gibt zu bedenken, dass die Berufsorientierung durch die Landesinitiative „Kein Abschluss ohne Anschluss“ sowieso verbindlich werde und systematisiert durchgeführt werde an allen weiterführenden Schulen. Außerdem: „Die gehen alle studieren, stimmt so nicht“, argumentiert der Lehrer. „40 Prozent eines Jahrgangs gehen nicht zur Hochschule, sondern machen eine Ausbildung.“

Man könne zum einen das Falsche studieren. Zum anderen sei es hilfreich, seine Fähigkeiten zu erkennen und zu wissen, für welche Berufe sie sich eignen. Manchmal führen auch Umwege zum Ziel. Wichtig sei auch, flexibel zu sein. Möller selbst hat zunächst Wirtschaft studiert, weil die Chancen für Lehrer damals nicht so gut gewesen seien, dann aber nie in einem Unternehmen gearbeitet.

Die Jugendlichen werden auf Grob- und Feinmotorik, Textverständnis, Sprachbeherrschung, rechnerisches Denken, räumliches Vorstellungsvermögen getestet. Es geht um strukturiertes Vorgehen, Fähigkeit zur Sachanalyse, kreative Lösungsansätze, Arbeitshaltung, Konzentration, Sorgfalt, Bearbeitungsgeschwindigkeit, Ausdauer, Kommunikation, Kooperation, Leistungsbereitschaft, Geduld. Die Ergebnisse wurden individuell ausgewertet. Die Schülerinnen und Schüler sollen sich ihrer Interessen, Neigungen und Möglichkeiten bewusst werden. Nicht nur die Schüler lernten manches über sich. Auch die Lehrer bekamen ein runderes Bild „vom ganzen Menschen“, so Möller. Ergebnisse seien unter vier Augen besprochen worden.

Überraschungen habe es in beide Richtungen gegeben. Schüler, die im Unterricht nicht unbedingt mit tollen Leistungen glänzten, schnitten gut ab. Andere mit guten Schulnoten, die immer fleißig ihre Hausaufgaben machen, waren bei der Analyse nicht unbedingt in allen Bereichen erfolgreich.

Laut Iris Simmler von der Agentur Mark nehmen neben dem Gymnasium Holthausen die Gesamtschule, die Realschule Grünstraße sowie die Förderschule St. Georg an der Potenzialanalyse teil. Insgesamt werden im EN-Kreis 2218 Schüler analysiert, in Hagen 1649. 150 Unternehmen stellen 900 Plätze zur Verfügung, von der Polizei bis zur Fernuni, ergänzt Michael Sicks von der Agentur Mark. Seiner Ansicht nach könnte sich das Handwerk noch mehr ins Zeug legen.

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