Erinnerungen und Enttäuschungen

Luftbild : Hans Blossey
Luftbild : Hans Blossey
Foto: Hans Blossey
Im Jahr 2000 wurde das Wildgehege aufgegeben. Heute ist der Wald ein Naturschutzgebiet.

Hattingen..  Dichtes Moos bedeckt den steinigen Untergrund, die verrotteten Pfähle eines Gitters sind von Pflanzen überwuchert – nur wer genau hinschaut, erkennt noch die Befestigung des früheren Wildgeheges im Waldgebiet Katzenstein.

Wildschweine und Damwild lockten hier knapp 30 Jahre lang Besucher aus der Umgebung nach Blankenstein. Doch seit nunmehr zwölf Jahren ist das Wildgehege Geschichte. Im Dezember 2000 wurden das Freiluftgehege von der Stadt Bochum, Eigentümer des Waldgebietes, geschlossen und die Tiere in andere Wildgehege übergesiedelt. „Die finanzielle Situation hat die Stadt damals zur Aufgabe gezwungen“, erklärt Marcel Möller vom Grünflächenamt der Stadt Bochum die Gründe für die Schließung des einstmals so beliebten Ausflugsziels. Der Wald ist heute ein Naturschutzgebiet

Im Jahr 1968 errichtete Förster Herbert Falke das Gehege im Herzen des Waldgebietes Katzenstein. Einem Gatter für Damwild folgte wenig später ein Wildschweingehege – im Jahr 1970 wurde das erste Pärchen aus dem Bochumer Tierpark in Blankenstein eingesetzt. Im selben Jahr kam ein Wildschafgatter hinzu, das jedoch sieben Jahre später wieder abgeschafft wurde – der Untergrund erwies sich als zu lehmig für die Mufflonschafe.

Ellen Breitenbach erinnert sich noch gut an Spaziergänge zum Wildschweingatter. „Früher habe ich meinen Kinder oft die Ferkel gezeigt“, so die Blankensteinerin. Auch Walter Wortmann vom Blankensteiner Heimatverein denkt gerne zurück an das Wildgehege: „Als die Menschen noch zu Fuß gingen, war der Wald im Katzenstein ein beliebtes Naherholungsgebiet und lockte auch viele Bochumer auf die andere Ruhrseite.“

Nach einer Erneuerung der Zäune, Hütten und Futterplätze Mitte der 1980er- Jahre, freute sich die Stadt Bochum noch im Jahr 1997 über die hohen Besucherzahlen ihres Wildgeheges auf Hattinger Stadtgebiet. Drei Jahre später dann das Aus: „Zu diesem Zeitpunkt wären große Investitionen am Gehege nötig gewesen, die die Stadt nicht leisten konnte“, begründet Marcel Möller die Entwicklung.

Heute erinnert im Katzenstein kaum noch etwas an das einstmals rege Treiben der Frischlinge im Unterholz. „Viele Gäste fragen uns immer noch nach den Wildschweinen“, berichtet Michael Schläfke, Betriebsleiter vom Restaurant „Krans im Katzenstein“. In unmittelbarer Nähe des ehemaligen Wildgeheges gelegen, profitierte die Gaststätte lange Zeit von den zahlreichen Ausflüglern. „Gerade Familien reisten an den Wochenenden häufig hierher, um die Tiere zu besichtigen“, so Schläfke.

Mit schönen Kindheitserinnerungen kämen viele Besucher noch heute als Erwachsene zum Katzenstein, um ihren Kindern die Wildtiere zu zeigen. „Die meisten von ihnen wissen überhaupt nicht, dass das Gehege nicht mehr existiert und sind enttäuscht, wenn sie nichts mehr vorfinden“, beschreibt der Gastronom seine Erfahrung.

Das Wildgehege im Katzenstein bleibt Geschichte – Pläne für einen Wiederaufbau gibt es nicht: „Das ist finanziell nicht machbar“, erklärt Marcel Möller von der Stadt Bochum. Weil der Wald mittlerweile Naturschutzgebiet sei, wären nötige Baumaßnahmen aus diesem Grund auch gar nicht möglich.

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