Eltern kaufen Spielgeräte

Begeistert: Monika Peirick (Kinderschutzbund), Stephan Draese, Ilona Battling (Elterninitiative), Ortsvorsteher  Theo Haske, Heidemarie Lietz und Andreas Gehrke (Kinderschutzbund). Foto: Udo Kreikenbohm / WAZ FotoPool
Begeistert: Monika Peirick (Kinderschutzbund), Stephan Draese, Ilona Battling (Elterninitiative), Ortsvorsteher Theo Haske, Heidemarie Lietz und Andreas Gehrke (Kinderschutzbund). Foto: Udo Kreikenbohm / WAZ FotoPool
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Hattingen..  Initiative sammelt 20 000 Euro bei Firmen und Privatspendern. Stadt zahlt Aufstellung. Einweihung am 9. Juli.

Ganz schön leer, der Spielplatz am Uhlenkotten. Sand, wohin das Auge blickt. Trotzdem schwingen sich Heidemarie Lietz und Monika Peirick vom Kinderschutzbund auf der Schaukel begeistert in die Höhe. Mit dessen Spende von 500 Euro hat die Elterninitiative soeben die Summe von 20 000 Euro voll gemacht. Und für neues Spielgerät gesorgt, das auf Kosten der Stadt aufgestellt wird.

15 000 Euro hatten die Mütter und Väter angepeilt. Und dafür jede Menge Klinken geputzt und Spender geworben. „Das Ziel war schon ganz schön hoch gesteckt“, räumt Ilona Battling ein. „Wir hätten nie gedacht, dass wir jetzt Spielgerät für 20 000 Euro anschaffen können.“ Die 5000 Euro für die Aufstellung bezahlt die Stadt.

Eingeweiht wird der neue Spielplatz am Samstag, 9. Juli, mit einem Fest von 11 bis 15 Uhr. Alle sind eingeladen, die geholfen haben, dass das Projekt zustande kommt. Würstchen und Getränke werden für einen Euro verkauft. Der Erlös fließt wieder in den Spielplatz. Noch vor kurzem sah es für diesen düster aus. Vor einem halben Jahr hatten städtische Mitarbeiter das Klettergerüst kleingesägt. Es war morsch und unsicher, für Ersatz kein Geld da.

Was für den Umschwung gesorgt hat: „Die Bezirksregierung hat ihr Okay zum Haushalt gegeben“, bestätigt Susanne Wegemann aus der Pressestelle der Stadt. Deshalb könne Hattingen jetzt das Engagement der Eltern, die das Geld gesammelt haben, unterstützen und 5000 Euro für die Aufstellung übernehmen. Statt 5000 sind nun 25 000 Euro für Spielflächen in Hattingen freigegeben. Das Geld sei sinnvoll eingesetzt, so Wegemann, der Auftrag erteilt. Und Hattingen erhalte eine Anlage für 20 000 Euro, die sonst „nicht zu machen“ gewesen wäre.

Kleine und größere Kinder bekommen ein neues Spielgerät mit drei Türmen von 1,45, 1,75 und zwei Metern Höhe mit Rutschen und mehr aufgebaut. Nicht aus Stahl oder Aluminium, sondern aus langlebigem Robinienholz. „Richtig happy“ ist jetzt nicht nur Ilona Battling. Ihre Töchter (fünf und drei Jahre alt) haben geweint, als das alte Gerüst abgebaut wurde. „Ich werde heulen, wenn das neue aufgebaut wird“, vermutet ihre Mutter.

35 bis 40 Firmen und 200 bis 250 private Spender haben das Projekt möglich gemacht. Eltern haben Unternehmen um Unterstützung gebeten, sind aber auch von Haus zu Haus gelaufen. So kamen größere Spenden von 1000 Euro, aber auch viele kleine Beträge zusammen. Von Menschen mit und ohne Kinder, aus Sparschweinen, Trinkgeld oder klimpernde Münzen im Gefrierbeutel.

Theo Haske, Ortsvorsteher in Niederwenigern, hatte im Vorjahr Ersatz gefordert. Jetzt freut er sich darauf, dass der bald steht. Und über das Engagement und den Gemeinschaftssinn im Ortsteil. Die haben auch Andreas Gehrke und Heidemarie Lietz vom Kinderschutzbund überzeugt, der seit Jahren das Spielen von Kindern unterstützt.

Kommentar: Erfolgreiche Spielplatzkapitäne

„Fehlt’s am Winde, so greif’ zum Ruder“, empfiehlt das deutsche Sprichwort. Während das indische so auf Eigeninitiative setzt: „Rufe Gott an, aber lenke deine Ruder an den Felsen vorbei.“ Eltern, die am Uhlenkotten die Initiative ergriffen, haben die Klippen eines brach liegenden Spielplatzes ohne Klettergerüst erfolgreich umschifft. Sie haben sich mächtig ins Zeug gelegt und viele mitgezogen, die durch ihre Spenden zum Gelingen beigetragen haben. Auch die Stadt, die die Aufstellung mit 5000 Euro bezahlt.

Die Dimension dessen, was die Eltern erreicht haben, wird deutlich, wenn man die Summen gegenüberstellt: 20 000 Euro haben Mütter und Väter eingefahren, während die Stadt 25 000 im Haushaltsjahr in ganz Hattingen ausgeben kann. Doch auch wenn es weniger gewesen wäre, hätte sich der Einsatz gelohnt.

Dem Engagement in Niederwenigern sind Nachahmer zu wünschen. Darunter auch Menschen, die in weniger betuchten Stadtteilen weniger selbstbewusste Bürger anstoßen und ihnen helfen, aktiv zu werden. Brigitte Ulitschka

 

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