Einsatz für eine vernachlässigte Gattung

Dr. Jürgen Wilbert
Dr. Jürgen Wilbert
Foto: Fischer
„Weihnachten ist, wenn die Herzen überlaufen – und die Mülleimer“ – Aphorismen wie diesen von Werner Mitsch sind im Deutschen Aphorismus-Archiv zu finden, den der Förderverein unterstützt.

Hattingen..  „Inzwischen sind die Menschen auch in der besinnlichen Zeit von Sinnen.“ Das ist ein Aphorismus von Dr. Jürgen Wilbert. Er ist der erste Vorsitzende des Fördervereins für das Deutsche Aphorismus-Archiv e.V. (DAphA). Der unterstützt das Archiv mit einem Bestand von etwa 3000 Büchern im Stadtmuseum.

Zwar sitzt der Verein wie das Archiv in Hattingen, doch die Mitglieder kommen aus Deutschland, Österreich, Slowenien. Vermehrt möchte der Vorstand an Themen Interessierte beteiligen – zum Beispiel an der Planung des siebten Aphoristiker-Treffens vom 4. bis 6. November 2016. Thema werden die Positionen des Aphorismus sein: Weisheit, Kritik, Impuls. Zur letzten psychologischen, allgemein menschlichen Ausrichtung konnte Wilbert den Tübinger Referenten Ludger Kühling gewinnen, der „seine therapeutische Beratung anhand von Aphorismen macht“.

Aphorismus-Wettbewerb für jeden

Zudem läuft noch bis Mitte Februar ein Aphorismus-Wettbewerb, bei dem jeder Aphorismen, die sich aufs Tagungsthema beziehen, einreichen kann. Für alle Mitglieder gibt der Verein jährlich eine „dapha-depeche“ heraus, in der die Vereinsaktivitäten vorgestellt werden. In einer Jahresgabe, einer kleinen Broschüre, beleuchten Jürgen Wilbert und Friedemann Spicker, der zweite Vorsitzende, alljährlich einen Aphoristiker – in diesem Jahr ist es Kurt Tucholsky. Einen Kalender mit Sinnsprüchen von Vereinsmitgliedern und dazu Kunstwerken von Künstlern teils aus der Region gibt der Verein heraus. Übrigens: Ein Aphorismus darf sich nicht reimen.

Als ausgewählter Ort im „Land der Ideen“ ist das Archiv ausgewählt worden, erhielt kürzlich von der AVU die EN-Krone im Bereich Kultur. Die AVU will auch ein neues Projekt fördern: „Wir planen mit dem Heimatverein Blankenstein einen Weg der Besinnung im Gethmannschen Garten, dort sollen Schilder mit Aphorismen zu Mensch und Natur, weitergedacht zu Ökologie aufgestellt werden“, erklärt Wilbert, „das wird uns 2016 beschäftigen“. Etwa die Hälfte der 86 Vereinsmitglieder sind übrigens selbst Aphoristiker.

Informationsstände, Gespräche im Radio, Vorträge, Veranstaltungen: Wilbert und seine Mitstreiter tun alles, um eine Gattung ins Bewusstsein zu rufen, die „immer zu kurz kommt“. „Fragt man, ob Menschen einen Leitspruch haben, zitieren viele Aphorismen“, so Wilbert.

Die Angelika+Friedemann-Spicker-Stiftung ist Mitglied des Vereins und trägt zur Finanzierung des Archivs bei. In der Aphorismen wie dieser von Kurt Marti archiviert werden: „Die Ware Weihnacht ist nicht die wahre Weihnacht.“ Oder wie Wilbert sagt: „Auf den Weihnachtsmärkten wird auch die Besinnung zu Markte getragen.“

 
 

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