Eine Show mit Fingerspitzengefühl

Julia Benkel, Lene Lemmer
Milow. Foto: Ingo Otto
Milow. Foto: Ingo Otto
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

Bochum/Hattingen/Witten. Besucherandrang am Kemnader See: Der Belgier Milow und die Niederländerin Caro Emerald spielen ihre Konzerte beim Zeltfestival und begeisterten das Publikum.

Er ist so leise und seine Fans sind so laut: Der belgische Sänger Milow übte sich am Donnerstagabend beim Zeltfestival in der deutschen Aussprache und wurde dafür begeistert beklatscht. Es gab aber noch weiteren Besuch aus der Nachbarschaft: Caro Emerald aus den Niederlanden stand in einem anderen Zelt auf der Bühne – die beiden sorgten für einen besonderen Besucherandrang.

Keine Überraschung: Die Autoschlangen stauen sich bereits auf dem Weg zum Kemnader See kilometerlang, die Parkplatzsituation ist chaotisch. Endlich geschafft, begrüßt Caro Emerald die Konzertbesucher mit Swing-Jazz. Seit dem Lied „A Night Like This“ ist sie in Deutschland bekannt und begeistert sowohl die junge als auch die alte Generation.

Man erkennt das Wort "Klingelton"

Im großen Zelt: „Rundfunk“, ruft Milow in brüchigem Deutsch ins Mikrofon. Obwohl er Englisch singt und spricht, überrascht er seine Fans mit einigen gelernten deutschen Wörtern. „Jedes Mal, wenn ich nach Deutschland reise, lerne ich ein neues Wort“, erklärt er. Die Menge jubelt. Trotz seines Akzents erkennt man auch das Wort „Klingelton“. Lachend applaudieren die Zuhörer. Für das Konzert am See hat er eine weitere Vokabel gelernt: „Fingerspitzengefühl“.

Dieses Wort beschreibt den Verlauf des Konzerts. Mit eben diesem Fingerspitzengefühl an der Gitarre verursacht Milow beim Publikum Gänsehaut , mit etwas mehr Schwung bringt er die Zuhörer im nächsten Moment zum Tanzen – egal, ob in Scharen vor der Bühne oder auf den hintersten Treppenstufen.

Pärchen tanzt Walzer

Auf das Lied „Ayo Technology“ warten alle sehnsüchtig: Auch auf den Rängen gibt eskein (Still-)Halten mehr. Die Hände schießen in die Höhe, zusammen im Takt schallt das Zusammenprallen der tausenden Handflächen beim Klatschen durch das Zelt. Bei „You Don’t Know“ und „You and Me“ lässt Milow das Publikum dann laut mitsingen und ist begeistert von der Textsicherheit. Während die Menschenmenge ausgelassen springt, tanzt ein Pärchen etwas Abseits des Rummels ihren ganz persönlichen Walzer.

Milow trat bereits im Jahr 2009 beim Zeltfestival auf. Damals noch vor kleinerem Publikum, wie der Sänger der Menge erzählt. Diesmal ist es rappelvoll – und der 30-Jährige unterhält sie etwa anderthalb Stunden lang. Sein Programm, eine Mischung aus bekannten Liedern und neuen Stücken, erinnert oft an Country-Musik.

Milow wird von den Fans zurückgeholt

Der international erfolgreicher Popmusiker – 2010 bekam er einen Swiss Music Award – heißt mit bürgerlichem Namen Jonathan Vandenbroeck. An diesem Abend stellt Milow den Zuschauern Stücke seines dritten Albums „North And South“ vor.

Dann geht er. Wird aber postwendend von seinen Fans zurückgeholt. Denn da fehlt ja noch „Little in the Middle“, die aktuelle Single. Und die schwirrt den Besuchern auch nach dem Konzert immer noch im Ohr herum.