Ein moralischer Appell

Hagen Retherin der Gebläsehalle. Foto: Marcus Simaitis / WAZ FotoPool
Hagen Retherin der Gebläsehalle. Foto: Marcus Simaitis / WAZ FotoPool
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Kabarettist Hagen Rether kritisiert die Politik und Gesellschaft mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus.

Hattingen..  Er sitzt lässig auf seinem Drehstuhl neben dem schwarzen Flügel und spricht laut aus, was er denkt – und er denkt so einiges. Nicht nur über die Politik, da kriegt von ihm sowieso jeder sein Fett weg. Er kritisiert die Gesellschaft, prangert das Geschehen der Welt an, äußert sich moralisch und immer mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus obendrauf – das ist Hagen Rether.

Mit seiner dunklen Stimme spricht der Kabarettist so vertraulich zu den rund 650 Zuschauern in der Gebläsehalle, dass es fast den Eindruck macht, er habe sie zu sich nach Hause ins Wohnzimmer eingeladen. Um ihnen seinen Standpunkt zu erklären. Vielleicht muss man nicht alle seine Ansichten teilen, oft schockiert er mit seiner Wortwahl: Er sagt seine Meinung knallhart, ohne jegliche Zierde, manchmal jedoch in einen Witz verpackt.

„Westerwelle ist für mich der Authentischte überhaupt – der war immer gleich doof.“ Auch Wulff und Guttenberg kommen dran. Und Angela Merkel: „Wussten Sie, dass Riesenschildkröten hundert Jahre fruchtbar sind?“ Die Frisur der Bundeskanzlerin sei ein Ablenkungsmanöver. „In Wirklichkeit hat sie wunderschönes Haar.“

Da lachen die Zuschauer. Bei anderen Themen wird es hingegen ernst und still: rechte Gewalt, Kindesmissbrauch, ungerechte Arbeitsverhältnisse. Einige klatschen zustimmend. Hagen Rether äußert sich zum getrennten Religionsunterricht und zur Diskussion um Islam-Unterricht an Schulen: „Kann man bei den Kurzen mit dem Teilen nicht wenigstens warten, bis sie 18 sind? Ich bin für Ethikunterricht.“ Er hält sich die Hände vors Gesicht und klagt: „Wann ist uns die Empathie verloren gegangen? Mit der wachsenden Gier?“ Dann, nach den vielen Minuten des moralischen Appells, folgt wieder so etwas: „Ich bin ein Sitzpinkler.“ Und die Frage: „Haben Sie Winterreifen?“

Irgendwann wirft er lässig einen Blick auf seine Armbanduhr. „Oh, schon siebzig Minuten um, lasst uns anfangen.“ Und er wendet sich zum schwarzen Flügel, beginnt eine Melodie zu spielen. Doch schweigen, das kann er nicht. Stattdessen redet er über Integration. „Wir sind ein Auswanderungsland. Oder haben sie bei RTL schon mal ,Die Einwanderer’ gesehen?“

Witz und Ernst schlagen blitzschnell um. „Der Staat gibt zu wenig für Bildung aus und zu viel für die Infrastruktur“, sagt Hagen Rether während er ruhig mit den Fingerspitzen übers Klavier gleitet. Bedauernd spricht er über die schlechten Chancen der Menschen mit Migrationshintergrund. Viele verließen Deutschland daher wieder. „Wenn wir schon aussterben, dann aber allein!“ Ein paar Zuschauer trauen sich wieder zu lachen. In Deutschland stehe die Tradition ja ganz weit oben. „Wissen Sie wie die Drogenbarone bei uns heißen“, fragt er. Die Antwort: „Winzer! Bei anderen heißt Alkohol Drogen, bei uns Tradition.“ Aber auch wenn so viel auf der Welt passiert. Er regt sich natürlich nicht darüber auf. Demonstrativ gähnt er, lässt den Kopf hängen und schnarcht.

 
 

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