Ein königliches Volk ohne Toilette

Imker Horst Schmerbeck (59) löst mit einem Schockmeißel die Holzrahmen mit Waben aus seinem Bienenkasten, Neuimker Jakob Kinsvater schaut interessiert zu. Einführungskurs für Neuimker beim Imkerverein Hattingen.
Imker Horst Schmerbeck (59) löst mit einem Schockmeißel die Holzrahmen mit Waben aus seinem Bienenkasten, Neuimker Jakob Kinsvater schaut interessiert zu. Einführungskurs für Neuimker beim Imkerverein Hattingen.
Foto: WAZ FotoPool
Honigbienen haben kein leichtes Leben: Sie zittern mit Muskeln, holen Nektar und können im Winter nicht aufs Klo gehen

Hattingen..  Gleich wird eine Biene einen Mann schmerzlich in den Daumen stechen, doch zuerst gibt es Wundersames zu hören – über die Welt der Bienenvölker. Wer glaubt, es reicht zu wissen, dass Bienen Honig machen, der ist fernab vom spannenden Entdecken der faszinierenden Wesen. Das Leben eines Honigbienenvolks ist höchst kompliziert, so dass man nur staunen kann.

Vom Imkerverein Hattingen erfahren die Besucher, dass Bienen neben ihrem normalen Magen einen zweiten haben – den Sozialmagen. „Darin sammeln sie Nektar, wenn sie umherfliegen, und würgen den Inhalt im Bienenstock wieder hoch“, erklärt Imker Horst Schmerbeck (59) der heutigen Männerrunde. Alle machen große Augen, als er den Deckel eines Bienenstocks öffnet. „Wenn es kälter als zehn Grad Celsius ist, bleiben die Bienen lieber zu Hause“, sagt er, „auch wenn es stark regnet, bleiben sie drinnen. Im Moment brüten 6000 Bienen fleißig, im Sommer sind es dann 30 000.“

Der Imker stellt den Deckel zur Seite, holt eine Wabe heraus. Unzählige Bienen krabbeln hektisch umher. Sie alle werden nur noch ein paar Wochen leben, denn sie sind bereits im Herbst geschlüpft und saßen schon den ganzen Winter beisammen. „Ohne Klo“, so Schmerbeck, „sie halten wochenlang ein und sobald es warm genug ist, drehen sie draußen eine Runde und entleeren sich am liebsten auf frisch aufgehängter Wäsche.“ Der Kot sieht aus wie ein kleines braunes Korn.

Jetzt brüten die Bienen mühevoll. „Es muss immer eine Temperatur von 35 Grad Celsius im Stock sein“, so Schmerbeck, „dafür zittern sie stark mit ihren Muskeln, erzeugen Wärme. “ Wegen des zunächst milden Winters hatte die Königin bereits im Januar angefangen Eier zu legen. „Dann kam die Kältewelle und da mussten die Bienen ordentlich heizen.“

Zuhörer Peter Koch (45) traut sich an die Kiste heran, in der es gefährlich laut summt und rauscht. Er greift mit den Händen nach einem Rähmchen, nimmt es heraus. Doch er ist etwas zu schnell, eine Biene krabbelt über seine Finger, sticht ihn in den Daumen. Autsch – das ist wohl jedem Imker schon einmal passiert.

Die Bienenkönigin ist nicht zu sehen. Interessant: „Wenn sie neu geschlüpft ist, macht sie einen Jungfernflug, paart sich draußen mit Drohnen anderer Völker, damit es keine Inzucht gibt. Spermien werden gespeichert, in einer Blase am Leben erhalten“, so Schmerbeck. Das alles sind nur ein paar der vielen Eigenarten des Honigbienenvolks.

 

EURE FAVORITEN