Ein Helm für jeden Kopf

Brigitte Ulitschka
Foto: WAZ FotoPool
Kinder, Jugendliche und Erwachsene tragen ihn beim Aktionstag auf dem Gelände der Reha-Klinik – auf dem Pferd, beim Radparcours oder Inlinerfahren. 500 Besucher. Schutz vor Hirnverletzungen.

Hattingen.  Vorsichtig lenkt Tom sein Zweirad über das hölzerne Hindernis aus Paletten. Der Siebenjährige, der seit vier Jahren aktiv ist beim MSC Herbede Ruhr, ist der jüngste Trialfahrer auf dem Gelände der Helios-Klinik Holthausen. Erwachsene überspringen mit ihrem fahrbaren Untersatz menschliche „Bodenschwellen“. Sie und viele andere Aktive eint, dass keiner oben ohne fährt oder auf dem Boden liegt in brenzliger Situation. Nicht ohne Grund ist hier die Aktion „Ein Helm für jeden Kopf“ angesagt.

150 bis 200 Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma behandelt die Reha-Klinik im Jahr. „Die schweren Fälle werden auch weiter in Kliniken behandelt“, sagt Volker Völzke, Leiter der Abteilung Psychologie der Helios-Klinik Holthausen. Leichte würden oft nicht erkannt und zu spät behandelt.

Die Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma sind unterschiedlich alt, vom Kleinkind bis zum Senior. Der Altersdurchschnitt liegt bei 50 Jahren. Älteste Patientin: eine 89-Jährige, die über einen Teppich gestürzt ist. Ihr hätte ein Helm nicht geholfen. Denn der Hausputz mit Sicherheits-Kopfbedeckung ist nicht üblich. Und „die meisten Unfälle passieren im Haushalt“, so Völzke.

Elf Schulklassen informieren sich

Bei anderen Aktivitäten lässt sich der Kopf aber wirkungsvoll schützen, so der Leiter der Abteilung Psychologie. Und ein preiswerter Helm sei besser als gar keiner. Grundschulkinder absolvierten anstandslos Fahrradtraining – mit Helm. Jugendliche fänden die sichernde Kopfbedeckung oft nicht so cool. Sie müssten überzeugt und auf die Gefahren aufmerksam gemacht werden. Völzke wundert sich manchmal auch, wie schnell Radfahrer am Kemnader See fahren – ohne Helm.

Beim Aktionstag haben etwa 500 Personen die Antennen ausgefahren. Auch Jungen und Mädchen aus elf Schulklassen der umliegenden Grundschulen, aus dem Schulzentrum und der Gesamtschule, kommen vorbei. Elf Schulklassen die sich im Vorfeld angemeldet haben, tummeln sich auf dem Rehaklinikgelände. Zu eng wird es trotzdem nicht, weil die Schüler, die hauptsächlich am Vormittag kommen, zeitlich versetzt eingeladen wurden.

„Wir arbeiten, wo andere Urlaub machen“, sagt ein Mitarbeiter aus der Gruppe, die auf den nächsten Stand zuhält. Idyllisch ins Grüne eingebettet ist die Klinik Holthausen. Die Patienten – im Vorjahr wurden 2318 behandelt – bereiten sich in der Fachklinik für neurochirurgische und neurologische Rehabilitation mit Physio-, Ergo-, Kunsttherapeuten, Logopäden und Psychologen darauf vor, wieder ein eigenständiges Leben zu führen. Patienten und Mitarbeiter der Klinik sind ebenso interessiert am Thema des Aktionstages wie Besucher.

Im Kreis herum führt Christine Seckelmann Jungen und Mädchen auf Pferden für den Reiterhof Worch. „Bei uns darf niemand ohne Helm aufs Pferd“, sagt die Reitlehrerin. Dank Helm hat eine Freundin von ihr einen schweren Unfall überstanden. Die Botschaft, die alle Beteiligten vermitteln möchten: Helm tragen rettet Leben und beugt schweren Kopfverletzungen vor. Die aktiv Beteiligten tragen ihn. Ob sie auf dem Pferd sitzen oder Inliner oder Fahrrad fahren. Beim Glücksrad brauchen sie ihn nicht. Hier können Kinder Reflektoren ergattern, die ihr Rad sicherer machen. In der Turnhalle gibt es Polizeitipps zur Beleuchtung der Drahtesel. Spaß kommt nicht zu kurz. Etwa bei der Feuerwehr, wo mit einem Wasserstrahl ein Ball ins Loch bugsiert wird.