Dönekes vom Obermarkt

Erinnerungen an Markttage ums Jahr 1900 und die Geschäfte rund um den Platz.

Hattingen..  Erinnerungen an einen Markttag im Jahr 1910 auf dem Obermarkt: Auffallend ist, dass die Marktbesucher schick gekleidet sind. Die Frauen mit weißer Schürze, Männer im Anzug und mit Hut, die Taschenuhr an der Kette in der Weste.

Die Bauern bieten ihre Erzeugnisse vom Wagen aus an. Auf dem Straßenpflaster liegen die Schlangengurken, wenn man genau hinschaut, damals duften sie auch krumm sein. In dem Wagen mit den Drahtgittern sind vermutlich Küken, Hühner, Gänse oder Kaninchen untergebracht. Im oberen Bildteil: Die parkenden Pferdewagen der Bauern aus dem Hattinger Hügelland. Straßenbahnschienen sind noch nicht verlegt, die kamen erst 1914.

Chefin hatte Tränen in den Augen

Ein Bauer aus Holthausen steht mit einem PS vor dem Haus Obermarkt Nr. 2. Vor hundert Jahren hatte hier Friedrich Hamacher sein Geschäft, später siedelte er um in das Gebäude an der Ecke Gelinde/Große Weilstraße. Gegenüber steht das Haus mit der Nummer 1, die Gaststätte Märker, später Lethaus.

So schaute man vor hundert Jahren von Märker über den Obermarkt zur Heggerstraße. In dem zweiten Gebäude rechts befand sich 1944 das Hattinger Seifenhaus. Dazu darf ich als eigenes Erlebnis einflechten:

Mir wurde am Silvestertag 1944 der Einberufungsbefehl zur Deutschen Wehrmacht zugestellt. Am Tag nach Neujahr suchte ich das Seifenhaus auf und bat die Inhaberin, mir einen leeren Persil-Karton zu überlassen, mit dem ich meine Zivilkleidung von der Kaserne an meine Eltern zurücksenden wollte. So wie es seinerzeit bei den Wehrpflichtigen üblich war. Die Chefin schaute mich verwundert an, ich war schließlich erst 16 Jahre alt, 1,66 Meter groß und hatte ein Körpergewicht von 45 Kilogramm – und sie fragte: „Du musst in den Krieg?“ Da standen ihr fast die Tränen in den Augen.

Im Jahr 1947 war der Metallreifen unserer Waschmaschine durch­gerostet, die Bohlen des Holz­bottichs fielen auseinander. Ein Ersatz war in dem schwierigsten Nachkriegsjahr nirgendwo zu bekommen. Aber Josef Cüsters, der eine Schlosserei auf dem Hinterhof Nr. 14a betrieb, suchte in den ­Trümmern der durch Bomben zerstörten Häuser brauchbare ­Metallteile zusammen und schmiedete mir daraus einen neuen Reifen. Eine lobenswerte Meisterleistung und ein Zeichen wahrer Nächstenliebe!

Zu den schönsten Erinnerungsfotos der Hattinger Altstadt zählt der Blick von der Heggerstraße auf den Obermarkt, eine Aufnahme, die um 1900 entstanden ist.

Es kann 1937 anlässlich des Erntedanktages gewesen sein, als für alle Lebensmittelgeschäfte in der Stadt ein Preis für die beste Schaufenster-Reklame ausgelobt war. Ausgeschrieben war eine Werbung für die „Eintopf-Mahlzeit“. Schumacher vom Obermarkt 11 erhielt den ersten Preis. Im Schaufenster standen lediglich die Riesen-Ziffer „Eins“ und daneben ein leerer Kochtopf.

Ein Gläschen französischer Cognac

Anschließend der beschauliche obere Platz vor hundert Jahren mit dem Restaurant Scheu, Schuhhaus Jacob, Sarglager Stratmann, Colonialwaren A. Kalsbach und die Hattinger Eier-Halle (Firma Wegen). In der Mitte die Kleine Weilstraße. Eines Abends im Jahre 1938 schickte mich der Metzgermeister R. von der Großen Weilstraße zum Restaurant Scheu, Münchner Hofbräu-Haus. Ich sollte ihm nach dem anstrengenden Hochbetrieb in seinem Laden ein Gläschen französischen Cognac holen, und zwar musste es ein „Hennessy Very spezial“ sein. Die Bezeichnung ließ ich mir auf einen Zettel schreiben. Ich hatte Glück, weil mir in der Dunkelheit auf dem holprigen Rückweg durch das Krämersdorf kein Tröpfchen aus dem flachen Glas übergeschwappt ist.

 
 

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