Die Stadt der 418 Feuer

Foto: Walter Fischer
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In diesem Jahr sind nicht ganz so viele Osterfeuer angemeldet wie 2011. Ordnungsdienst kontrolliert, was verbrannt wird.

Hattingen..  Ums Osterfeuer wurde lange diskutiert. Der Erste Beigeordnete der Stadt, Rechts- und Ordnungsdezernent Dr. Frank Burbulla, überlegte, ob er Brauchtumsfeuer weiterhin genehmigen könne – weil es im vergangenen Jahr Beschwerden im Rathaus und bei der Bezirksregierung in Arnsberg sowie eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Stadtspitze gab (wir berichteten). Die Hattinger Zeitung startete ein Meinungsforum: Weit auseinander gingen die Ansichten – von „Spaßbremsen“ und einer „Ökodiktatur“ war die Rede, allerdings auch der Wunsch auf „beidseitige Rücksichtnahme“. Schließlich wurden die Feuer genehmigt. Jetzt wird es 418 geben.

Doch seit mehreren Jahren wird das Streitgespräch ums Osterfeuer immer eifriger geführt, weiß Pressesprecher Thomas Griesohn-Pflieger. „Die öffentliche Diskussion führt eventuell dazu, dass einige Bürger auf ihr eigenes Osterfeuer verzichten und stattdessen mit den Nachbarn zusammen feiern.“

In diesem Jahr sind 418 Osterfeuer gemeldet, etwas weniger als im Jahr 2011 mit 480. „Es gibt zwar einen Appell von der Stadt, dass alle Osterfeuer angemeldet werden müssen, aber ich denke, dass darüber hinaus noch weitere veranstaltet werden“, sagt Griesohn-Pflieger. „Eine Strafe gibt es dafür nicht, allerdings werden die unangemeldeten Feuer streng kontrolliert.“

Diese Anzahl an Brauchtumsfeuern entspricht dem Rahmen der vergangenen Jahre, erklärt der Stadtsprecher. Vor allem in den ländlichen Gebieten werden Osterfeuer veranstaltet. Hauptbrandmeister Jens Herkströter informiert: „In der Südstadt weniger, da gibt es nicht so viel freie Flächen wie zum Beispiel in Holthausen oder Elfringhausen. Garten- oder Sport­vereine, aber auch Familien melden ein Osterfeuer an. Es muss öffentlich zugänglich sein, ist keine Privat-Veranstaltung.“ So müssen Anwohner, wenn sie auf ihrem Privatgrundstück ein Osterfeuer zünden, damit rechnen, dass fremde Gäste dazukommen, mit ihnen feiern wollen. Herkströter: „Allerdings ist das nicht der Normalfall.“

An den Ostertagen kommt es häufig vor, dass Nachbarn gesichteten Rauch aus Unsicherheit der Feuerwehr melden, dann rückt der Löschzug aus und kontrolliert, ob das Feuer angemeldet ist, ob die Regeln eingehalten werden. „Im vergangenen Jahr gab es eine erhöhte Gefahr für Waldbrände, da es einen sehr trockenen Frühling gab. Da mussten wir jemanden auffordern das Osterfeuer zu löschen, es war zu nah an einer Böschung“, sagt Herkströter. Schlimmere Vorfälle gab es aber zum Glück nicht.

Dass Anwohner das Osterfeuer nutzen, um Müll zu verbrennen, ist ein Problem, das nicht leicht kontrolliert werden kann. Herkströter: „Wenn das Feuer einmal brennt, ist es schwer festzustellen, was alles hineingeworfen wurde.“ Allerdings warnt Griesohn-Pflieger: „Ein Ordnungsdienst wird herumfahren und darauf achten, was verbrannt wird. Auch vor dem Anzünden wird bereits kontrolliert, was auf dem Stapel liegt.“ Da wurde schon behandeltes Holz gefunden oder alte Gartenstühle, Spanplatten sowie Zaunelemente gesichtet. „Im Vergleich zu früher ist es aber weniger geworden“, so Griesohn-Pflieger.

Auch der Stapel des Kleingärtnervereins Salzweg wurde schon kontrolliert, die Mitglieder veranstalten am heutigen Samstag um 16 Uhr ein Feuer. „Die Zweige müssen sehr trocken sein und verbrennen daher so schnell, dass es fraglich ist, ob sich das Osterfeuer lohnt, da es so schnell verbrannt ist“, sagt Frank König (51), Vorsitzender des KGV Salzweg. „Wenn wir sehr viele Pflanzenreste vom Hecken- und Baumschnitten haben, können wir einen Zwischenbrand beantragen. Nicht in Gärten, sondern auf der ­Freifläche am Vereinsheim.“ Im vergangenen Jahr hat es deshalb auch im Sommer ein Feuer am Salzweg gegeben.

 

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