Die Pionierin der Ich-AG

Sabine Weidemann
Astrid Rauls
Astrid Rauls
Foto: Walter Fischer
Astrid Rauls hat sich vor zehn Jahren als Heilpraktikerin selbstständig gemacht.

Hattingen.  Vor zehn Jahren starteten die so genannten Ich-AGs als Möglichkeit, aus der Arbeitslosigkeit herauszukommen. Als eine der ersten wagte in Hattingen Astrid Rauls den Schritt in die Selbstständigkeit. In unterschiedlichsten Bereichen, von Dienstleistungen im Haushalt bis zum Handwerk hatten sich Menschen selbstständig gemacht. Doch viele scheiterten auch an der Herausforderung, der eigene Chef zu sein. Nicht so Astrid Rauls. Die Heilpraktikerin konnte in dieser Woche das zehnjährige Bestehen ihrer Praxis feiern.

An Herzblut hat es der 43-Jährigen nie gemangelt. Schon früh war ihr klar: „Homöopathie ist das, was ich machen möchte.“ Dennoch ging sie auf Nummer sicher, lernte Industriekauffrau. Und der kaufmännische Hintergrund hat ihr geholfen, ihren Traum von der Selbstständigkeit zu erfüllen: „Ich hatte da recht realistische Vorstellungen“, erklärt sie.

Aber Astrid Rauls weiß, dass viele ihrer Ich-AG-Mitstreiter doch zu naiv an die eigene kleine Firma herangegangen sind. „Man darf die soziale Absicherung nicht unterschätzen, die Krankenversicherung und Rentenversicherung“, rät sie allen, die sich selbstständig machen wollen. Sie betont: „Durststrecken sind nicht gut für die Nerven und eine Absicherung lässt einen ruhiger schlafen.“ Denn das größte Problem kommt für die Neu-Unternehmer wenn es einmal nicht mehr so gut läuft, Kunden und Aufträge ausbleiben. Auch Astrid Rauls kennt die schwierige Zeit, in der finanzielle Sorgen durch den Kopf spuken. „Klar hat man dann auch Existenzangst“, bestätigt sie. Trotzdem gab es für die Heilpraktikerin nie einen Plan B.

Sie war immer überzeugt von ihrer Idee und der Homöopathie. Deshalb hängt jetzt über ihrem Schreibtisch auch eine Lithografie von Dr. Samuel Hahnemann, dem Begründer der sanften Heilmethode mit stark verdünnten Wirkstoffen. „Die habe ich in Barcelona auf einem Flohmarkt ersteigert“, berichtet die Hattingerin über ihren ganzen Stolz.

Und obwohl es keine wirtschaftlichen Überlegungen waren, die sie dazu brachten, sich mit homöopathischen Behandlungsmethoden selbstständig zu machen, hat Astrid Rauls einen guten Riecher bewiesen. „Das Interesse nimmt zu“, beobachtet sie. Und das, obwohl der Homöopathie auch viel Kritik entgegen gebracht wird. „Trotzdem wird sie alltagstauglicher“, freut sich Rauls. Viel funktioniert dabei über Mund-zu-Mund-Propaganda, die Patienten in ihre Praxis zieht. Den Boom der Homöopathie hatte sie trotzdem vor zehn Jahren nicht erwartet. Und an noch etwas dachte die Ich-AG-Gründerin niemals: Daran, dass es nicht klappt mit der Selbstständigkeit.