Die Natur reguliert sich selbst

Dirk Janzen
Schafgarbe : Ein wahres Multitalent unter den Kräutern
Schafgarbe : Ein wahres Multitalent unter den Kräutern
Foto: WP
Dirk Janzen, Leiter der Biologischen Station EN, schreibt in seiner Kolumne „Natürliches EN“ darüber, dass struktur- und blütenreiche Gärten für Vögel wichtig sind.

Hattingen.  Vier Wochen früher als üblich hat uns in diesem Jahr der Frühling mit seinem satten Grün und seiner Farbenpracht überrascht. Schon in den frühen Morgenstunden ertönt in den Gärten das Konzert der Singvögel. Alles ist voller Leben und Tatendrang. Für die Biostation eine der spannendsten Zeiten des Jahres.

Gerade zur Brutzeit der Gartenvögel erreichen uns zahlreiche Anrufe und Anfragen von Bürgern, die um die Brutgelege bangen und allen voran die räuberische Elster dezimieren möchten. Dabei sind die Gefahren für den gefiederten Nachwuchs der Singvögel weit vielschichtiger. Nur etwa zehn Prozent der Vogeljungen fällt Elsternplünderungen zum Opfer – zumeist betroffen sind Amseln.

Nicht nur Elstern sind Nesträuber

Aber auch Eichhörnchen und Mader greifen in die frischen Gelege. Größere Raubvögel – und nicht zu vergessen Krähen – gelten ebenso als Nesträuber; hiervon bleibt auch die Elster selbst nicht verschont. So reguliert sich die Natur zumeist ganz von alleine. Frisch geschlüpfte Jungvögel stehen zudem auf dem Speiseplan freilaufender Katzen. Doch so tragisch die Übergriffe auch sind, ernsthaft leidet der Bestand unserer Singvögel darunter nicht.

So sorgt eine Amsel im Laufe ihres Lebens zum Beispiel für bis zu 200 Junge. Für den Erhalt des Bestandes werden – rein theoretisch – nur zwei gebraucht. Somit macht es keinen Sinn, den Elsternbestand durch Menschenhand zu dezimieren. Zumal dieser Vogel vor wenigen Jahrzehnten selbst kurz vor der Ausrottung stand. Seitdem steht er unter Schutz.

Elsternbestände sind auch nur dort eine Plage, wo es nicht genug Rabenkrähen und große Raubvögel gibt, die für eine Bestandsregulierung Sorge tragen. Das Ausräumen der Nester ist strengstens verboten, weil in Elsternestern oft streng geschützte Arten wie Waldohreulen oder der Rote Milan brüten. Somit übernimmt die Elster sogar eine wichtige Rolle für die Ausbreitung stark bedrohter Vogelarten.

Um unsere Singvögel zu schützen, ist es hingegen viel wichtiger, dass die Tiere in unseren Gärten genügend Futter finden. Daher sind struktur- und blütenreiche Gärten enorm wichtig.

Für ausreichende Brutplätze sorgen

Auch der Einsatz von Giften im Garten, wie zur Bekämpfung von Blattläusen, macht es in der Konsequenz den Vögeln, nicht leicht. Ausreichende Brutplätze, in Bäumen und dichten Hecken, sowie ein reichlich gedeckter Tisch – also das Vorhandensein vieler Insekten – sorgen für die Bestandserhaltung unserer Singvögel. Ein ausreichendes Nahrungsangebot wird auch durch die Anpflanzung heimischer Wildstauden unterstützt, wie zum Beispiel die Schafgarbe oder den Storchschnabel. Alles, was der Insektenwelt mundet, dient in der Nahrungskette auch wieder dem Vogelschutz.

Somit komme ich auch zu der Beantwortung einer weiteren Frage, die häufig an uns gestellt wird: Bitte nehmen Sie Abstand von der Sommerfütterung der Vögel. Die Natur hat sich eine ganze Menge dabei gedacht, die Bestände ganz von alleine einzupendeln. Nur die fittesten Vögel sollen überleben und sich weitervermehren. So gemein und ungerecht dies aus Menschenaugen auch manchmal aussieht. Wir sollten nicht immer und überall in natürliche Kreisläufe eingreifen und dadurch instabile Kunstwelten aufbauen.