Die Mongolei lässt ihn nicht los

Autor Ulrich Land. Foto: Thomas Goedde / WAZ FotoPool
Autor Ulrich Land. Foto: Thomas Goedde / WAZ FotoPool
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Ulrich Land war zunächst als Reporter in Asien, vor kurzem noch einmal privat – und als Autor hat er die Titanic gerettet.

Hattingen..  Von den Nomaden-Zelten in der Mongolei zur Schiffsfahrt mit der Titanic in den Nordatlantik: Das Jahr 2011 war für Ulrich Land ganz bestimmt nicht langweilig.

Im ersten Halbjahr plante der Autor aus Elfringhausen die Lesetournee seines neuen Kriminalromans „Und die Titanic fährt doch“. Natürlich fuhr er nicht selbst mit auf der Titanic, aber in seiner Phantasie geht die ja sowieso nicht unter. Sie donnert geradeaus auf den Eisberg zu und schafft es auf diese Weise noch rückwärts zum rettenden Hafen. Doch bevor er diese Geschichte dem Publikum vorstellte, musste er sich zunächst auf etwas anderes konzentrieren: seine Reise in die Mongolei.

Für eine Radio-Reportage zog Ulrich Land gemeinsam mit Musikern zwei Wochen im Juni durch das ferne Land. Bei diesem außergewöhnlichen Festival begegneten sie auch Nomaden. „Sie waren allerdings schwer zugänglich, die Verständigung sehr schwierig“, erklärt Land, „die mongolischen Musiker haben wir aber gut kennen gelernt.“

Ulrich Land führte Interviews und nahm die Konzerte auf, bei denen moderne Musik auf traditionelle, hunderte Jahre alte mongolische Klänge traf. „Die verschiedenen Richtungen passten trotzdem gut zusammen.“ Ein Klavier reiste dabei immer mit, außerdem Geigen und Trommeln. Percussionistinnen aus Freiburg beeindruckten die Nomaden. „Sie waren wie gebannt.“ Sie selbst spielten auf ihren Pferdekopfgeigen. „Die Saiten sind aus Pferdehaaren gebunden“, erklärt Land.

Dann passierte das Unfassbare: Der Bus fuhr über das Aufnahmegerät – es war zerstört. „Das war am dritten Tag, da hätte ich schon wieder nach Hause fahren können“, erinnert sich Land. „Zum Glück lieh mir dann aber ein Kanadier sein Aufnahmegerät.“ Also konnte er weitergehen, der Einblick in eine völlig andere Welt. „Die Nomaden ziehen drei- oder viermal im Jahr mit ihren Zelten weiter, wenn ihre Ziegen, Schafe und Pferde keine Nahrung mehr finden.“

Zurück im Hügelland arbeitete Land zunächst an der Radio-Reportage. Dann rückte die Veröffentlichung seines Titanic-Romans immer näher. Mit dem Lektor wurde noch einmal alles besprochen, letzte Korrekturen wurden unternommen. Im Oktober begann die Lese-Tour. Der Auftakt fand im Planetarium Bochum statt, danach las er auch in der Hattinger Stadtbibliothek und in Sprockhövel. „Ich bin sehr zufrieden, die Tournee war erfolgreich“, freut sich der Autor.

So eisig kalt wie das Wasser im Nordatlantik ging es Mitte Dezember weiter – und zwar noch einmal in die Mongolei. „Ich wollte das Land im Winter erleben, da gibt es Temperaturen von minus 40 Grad Celsius.“ Allerdings gab es noch einen anderen Grund: Land schreibt gerade ein Hörspiel.

„Es geht um Menschenhandel in Tschechien, wobei Mongolen als Forstarbeiter eingeflogen wurden, dann aber schwere Arbeit leisten mussten, in schlimmen Wohncontainern hausten und kein Geld bekamen. Eine brutale Ausbeutung.“ Über diesem Skandal recherchiert Ulrich Land zurzeit, setzt die gesammelten Infos dann in ein Hörspiel um, für das er auch fiktive Personen erschafft. Im nächsten Jahr soll es produziert werden.

 

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