Die größte Fundsache der Stadt

Foto: Svenja Hanusch / WAZ FotoPool
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Weil der frühere Besitzer eines Autos starb und keine Erben ausfindig gemacht werden konnten, versteigerte die Stadt das Fahrzeug für 1800 Euro.

Hattingen..  Zwei Männer überbieten sich bei der städtischen Auktion in Hunderterschritten. Dabei handelt es sich um keine normale Versteigerung, denn angeboten wird ein Audi A4, Farbe Silber. Etwas Besonderes: „Ein Auto haben wir zuvor noch nicht versteigert, das ist einmalig“, sagt Ulrich Jordan vom Ordnungsamt.

„Anwohner hatten gemeldet, dass das Auto seit längerer Zeit an der Straße herumsteht und ihnen einen Parkplatz wegnimmt“, erzählt Ulrich Jordan. Es wurde festgestellt, dass der frühere Besitzer des Autos im Herbst 2011 verstorben ist. Weil keine Erben ausfindig gemacht werden konnten, wird das Auto wie eine Fundsache betrachtet und von der Stadt versteigert.

Auf dem Gelände der Firma Hörster am Schulknapp in Welper versammeln sich mehrere Interessierte. Doch letztendlich bieten nur zwei Männer. „Wahrscheinlich haben einige gedacht, das Gebot fängt bei fünfzig Euro an“, sagt Ulrich Jordan. Doch der Startpreis beträgt tausend Euro für das Fahrzeug mit Erstzulassung 1997 und Kilometer-Stand 176 666. Der TÜV geht noch bis Dezember 2012.

„Wer bietet 1100?“ Ulrich Jordan leitet die Auktion. Ein Mann in schwarzer Lederjacke hebt die Hand. Doch der andere zieht mit. Nach wenigen Minuten ist die Versteigerung auch schon beendet: Jürgen Stöber (54) wird zum neuen Eigentümer ausgerufen. „Eigentlich wollte ich nicht mehr als 1400 Euro bieten, aber ich bin zufrieden. Mehr als 1800 Euro hätte ich jedoch nicht bezahlt.“ Er hofft, dass nicht zu viel an dem Auto repariert werden muss. Der Welperaner war schon öfter bei Auktionen, hat schon einmal einen Tisch ersteigert.

Dieses Auto kann er gut gebrauchen. „Mein derzeitiger Wagen ist durch den TÜV gefallen und zu alt, so dass es sich nicht mehr lohnt, ihn reparieren zu lassen.“ Mit dem ersteigerten Auto fährt er nun im Winter durch den Alltag. „Das Auto bekommt ein Saisonkennzeichen, denn im Sommer fahre ich immer mit meinem Campingwagen, gerne auch zum Gardasee. Doch im Winter soll der Campingwagen geschont werden.“ Einen Ölwechsel wird er noch machen lassen und die Reifen austauschen, dann ist er gespannt, wie gut der Audi fährt. „Die Standschäden seit dem vergangenen Herbst müssten relativ gering sein.“

Auch Ulrich Jordan vom Ordnungsamt ist mit dem Ergebnis der Auktion zufrieden. „Selbst wenn es nur 500 Euro gewesen wären, sind es immer noch 500 Euro mehr in der Kasse.“ Alle zwei oder drei Jahre finden Versteigerungen statt. „Im Moment haben wir schon achtzig Fahrräder beisammen, die im Sommer versteigert werden sollen“, so Jordan. Woher so viele Räder kommen? Jordan kann sich vorstellen, dass ein herumstehendes Fahrrad geklaut wird und der Dieb damit zum Supermarkt fährt oder aus Bochum nach Hattingen radelt.

 

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