Die ersten Weißen seit 20 Jahren

Foto: AHS
Pastor Mirco Quint aus Niederwenigern und ­Johannes Küpperfahrenberg, Vorsitzender der Afrika-Hilfe-Stiftung, besuchten Projekte in Ruanda.

Hattingen..  Kinder und Jugendliche liefen ­hinter Pastor Mirco Quint und ­Johannes Küpperfahrenberg, Vorsitzender der Afrika-Hilfe-Stiftung in Ruanda her, riefen in ihrer Sprache „weißer Mann, weißer Mann“. „In Gikore auf dem Land waren wir die ersten Weißen seit 20 Jahren“, erklärt Küpperfahrenberg, der mit Stiftungs-Vorstandsmitglied Quint in das afrikanische Land reiste, um Stiftungs-Projekte zu besuchen.

Beeindruckt war Quint von der Kulisse des Gottesdienstes unter freiem Himmel – mit über 1000 Menschen. „Obwohl ich die Sprache nicht verstand, war das für mich ein heimatlicher Moment, weil die Liturgie ja weltweit gleich ist“, erinnert sich Quint. Beeindruckt war er von den vielen Kindern. „Nach dem Völkermord 1994 gab es nur noch 2,5 Millionen Einwohner, inzwischen sind es wieder 12,5 Millionen, 50 Prozent der Bevölkerung ist jünger als 18 Jahre“, sagt Quint. Das Duo reiste mit zwei Koffern voll gespendeter Babykleidung, Kugelschreibern und Lernspielen an, besuchte verschiedene Projekte des Vereins.

Eines finanziert Schulkleidung für Kinder, die ohne nicht zur Schule gehen dürfen. „Die haben wir fertigen lassen bei von uns ausgebildeten Näherinnen“, erklärt Küpperfahrenberg.

Fasziniert war Quint, der erstmals nach Ruanda reiste, von dem satten Grün, der roten Erde. Und davon, wie arm, aber trotzdem glücklich die Menschen sind. Ohne fließend Wasser, ohne Strom, nur das besitzend, was sie am Leib tragen. „Je weniger Komfort, desto glücklicher. In den Städten hatten alle schlechte Laune. Das war auf dem Land anders“, fasst er seine Erfahrung zusammen. Fasziniert war der Pastor der katholischen Gemeinde Niederwenigern außerdem davon, wie sich die verschiedenen Projekte gegenseitig bedingen. „Dort wird in Großfamilien gelebt, man hilft sich gegenseitig. Diese sozialen Strukturen waren durch den Völkermord zerstört. Inzwischen gibt es ein Projekt, das Kinderfamilien unterstützt. Oder ins Seniorenzentrum kommen über Tag Waisenkinder, für die die Älteren eine Großelternfunktion übernehmen.“ Die Gemeinde vor Ort organisiert, dass sich Menschen finden. Auf der einen Seite ist eine Seniorin mit Haus und Land, die beides nicht mehr bewirtschaften kann, auf der anderen Seite eine dreiköpfige Kernfamilie, die nichts besitzt. Sie werden miteinander bekannt gemacht, leben zusammen, greifen sich unter die Arme.

Praktische Hilfe leistet die Afrika-Hilfe-Stiftung, deren Ehrenamtliche unterstützen, nicht als „weiße Oberlehrer“ auftreten wollen. Johannes Küpperfahrenberg selbst fährt immer dann in das Land, wenn Gespräche notwendig sind.

Ein Projekt ist frisch angestoßen worden. „Der Pfarrer in Gikore erzählte mir, dass 120 Menschen keine Krankenversicherung bezahlen können. Pro Person sind dafür fünf Euro im Jahr notwendig. Den Menschen einfach nur das Geld zu geben, gefiel dem Pfarrer nicht.“ Mit Einheimischen und Quint entwickelte er diese Idee: Für etwa 700 Euro werden 40 Ferkel angeschafft, die die Gemeinde erhält. Die gibt je ein Ferkel an eine bedürftige Familie. Sozialarbeiter kümmern sich um das Projekt. Bekommt das Ferkel Junge, geht eines aus dem Wurf zurück an die Gemeinde, die anderen kann die Familie z.B. verkaufen, so Geld verdienen. Die Gemeinde hilft dann mit dem neuen Ferkel einer neuen Familie.

Und: Nach der Reise ist vor der Reise. Weiter sammelt die Stiftung neben Geldspenden ebenso Babykleidung, die es dort vor Ort nicht gibt und die dort aktuell nicht produziert werden kann, außerdem Kugelschreiber – und gerne auch abgelegte Brillen. „Die Menschen dort haben kaum Zugang zu Brillen.“

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