Die Armut verfestigt sich

In der Realschule Grünstraße blieben als Teilnehmer der 2. Hattinger Armutskonferenz Verwaltungs-Profis und engagierte Ehrenamtler unter sich..
In der Realschule Grünstraße blieben als Teilnehmer der 2. Hattinger Armutskonferenz Verwaltungs-Profis und engagierte Ehrenamtler unter sich..
Foto: Gero Helm / WAZ FotoPool
Die sozial wirkenden Teilnehmer der 2. Hattinger Armutskonferenz erfahren aus den neuesten Zahlen: Bereits 17,8 Prozent der Kinder bis 14 leben in Armut. Sie „sind häufiger betroffen als Erwachsene“, sagt Regine Hannappel, die auch den ersten Demografie-Bericht für Hattingen heraus gegeben hatte.

Hattingen..  „Druckfrisch“ nannte Regine Hannappel die Zahlen aus dem Armutsbericht des Ennepe-Ruhr-Kreises. Erst am Donnerstag wurde das Werk öffentlich vorgestellt – und es bietet auch und gerade für Hattingen keine erhebende Lektüre. „Die Armut verfestigt sich“, so lautete das erste Fazit der Sozialwissenschaftlerin, bei der Stadtverwaltung zuständig für strategische Stadtentwicklung – „trotz sinkender Arbeitslosen-Quoten“.

Das Forum ihres Vortrages war am Freitag Nachmittag die Realschule Grünstraße als Schauplatz der 2. Hattinger Armutskonferenz. „Ich sehe eigentlich nur bekannte Gesichter“, so hatte die Beigeordnete Beate Schiffer die Teilnehmer begrüßt. Wie im Januar 2012 während der ersten Armutskonferenz war auch dieser Nachmittag, so die Sozialdezernentin, „ein Forum zum Austausch für sozial wirkende Menschen“.

Regine Hannappel lieferte dafür vom Podium die neuesten Zahlen, nannte sie „typisch für eine Ruhrgebietsstadt“: Von 55 383 Hattingern beziehen 5589 oder 10,1 Prozent eine Form der sozialen Mindestsicherung – leben also in Armut. Kinder jedoch „sind häufiger betroffen als Erwachsene“, so die Sozialwissenschaftlerin, die vor drei Jahren auch den ersten Demografie-Bericht für Hattingen heraus gegeben hatte. Von 6022 jungen Menschen bis 14 Jahren sind 1178 Kinder arm. Das ist mit 17,8 Prozent bereits ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahres-Wert von 16,5 Prozent – der bereits viele Bürger erschreckt hatte.

In der Generation der über 65-Jährigen sind dagegen (noch) wenige Hattinger von (Alters-)Armut betroffen, nämlich 306 von 13 089. „Das ist noch ein kleiner Anteil“, kommentierte Regine Hannappel, „aber ein Anteil der zunehmen wird“. Sie wies auch darauf hin, dass die offizielle Definition von Armut jene vielen Menschen nicht mit erfasse, die mit ihren Einkommen nur „knapp über der Leistungsbezugs-Grenze liegen“.

Warum Kinder so teuer sind

Sehr eindrücklich wirkte Hannappels Aufzählung all jener im Schul-, Sport- und Freizeit-Alltag scheinbar selbstverständlichen Dinge, die „Kinder so teuer machen“: vom Vereins- und JeKi-Beitrag über Unterrichtsmaterialien bis zu Handys und PCs für die Älteren: „Das alles für einen Regelsatz von 255 Euro im Monat?“ An das Bildungs- und Teilhabe-Paket, so Hannappels Appell, müssten Kinder „unabhängig vom Engagement der Eltern“ herankommen können: „Wir müssen die Strukturen nutzen, in denen Kinder sich bewegen.“

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