Die Aktualität von Stahl und Moral

Fotografische Rarität: Stereoskop-Aufnahmen aus den Schützengraben des Ersten Weltkriegs, Die Sonder-Ausstellung „Front 14/18: Der Erste Weltkrieg in 3 D“ präsentiert diese Amateuraufnahmen von Frontsoldaten in der Henrichshütte.
Fotografische Rarität: Stereoskop-Aufnahmen aus den Schützengraben des Ersten Weltkriegs, Die Sonder-Ausstellung „Front 14/18: Der Erste Weltkrieg in 3 D“ präsentiert diese Amateuraufnahmen von Frontsoldaten in der Henrichshütte.
Foto: WAZ
Zwei Weltkriegs-Jahrestage geben dem LWL-Industriemuseum ein umfassendes Jahresthema vor: „Die Henrichshütte im Krieg“. Für Museumsleiter Robert Laube liegt die Aktualität des 75. und des 100. Jahrestages zwingend nahe: „Googeln Sie doch mal das Wort Auslandseinsätze!“

Hattingen..  Krieg und Sterben und Waffen“ nennt Robert Laube „ein eher schwieriges Thema“. Aber es ist ein Thema, das der Leiter des Industriemuseums dennoch, oder gerade deshalb, entschieden angeht: 75 Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, 100 Jahre nach dem Beginn des Ersten heißt sein Jahresthema: „Stahl und Moral: Die Henrichshütte im Krieg 1914 bis 1945“.

Im Verbund der acht Industriemuseen des Landschaftsverbandes lautet das umfassende Motto der 2014er Ausstellungen: „Unterwelten“ – in Hattingen spielt es an auf den ehemaligen Luftschutzstollen der Hütte als Ausstellungsort. Außerdem erzählt die Schau vom 9. Mai bis 9. November die Geschichte eines der größten europäischen Rüstungsbetriebe. Die Henrichs­hütte produzierte für beide Weltkriege Granaten, Kanonenrohre und Panzerplatten. Mit möglichen Dauer-Leihgaben wird die Sonder- so auch die Dauer-Ausstellung bereichern können.

Befürchtet der Museumsleiter angesichts eines 100. Weltkriegs-Jahrestags, der überall für Ausstellungen, Sondersendungen und Buch-Publikationen sorgt, denn kein Zuviel? „Ein Überangebot kann es gar nicht geben“, sagt Robert Laube entschieden. „Jedes Gemeinwesen muss sich dem Anlass stellen – wie vor einigen Jahren der Diskussion um die Zwangsarbeit.“

Das meine er nicht als Anklage, sondern im Sinne des Erkennens der Zusammenhänge. Außerdem sei auch die heutige Bundesrepublik gar nicht so unbeteiligt – nicht mehr, seit Karl-Theodor zu Guttenberg „die Worte Afghanistan und Krieg und Bundeswehr in einem Satz zusammen gesagt hat“. Robert Laube meint: „Googeln Sie doch mal das Wort Auslandseinsätze!“ – das mache die aktuellen Bezüge seines historischen Themas sichtbar.

Der Versuch, Fragezeichen zu setzen

Bisher vermisst der Museumsleiter hierzulande „den gesellschaftlichen Diskurs" über die weltweiten Militäreinsätze der eigenen Soldaten: „Andere Länder können das; wir müssen es lernen.“ Meint er, dass „Stahl und Moral“ auch für die Publikums-Resonanz ein zugkräftiges Thema ist? Nach dieser Frage will Robert Laube seine Themen nicht ausrichten. „Aber wir versuchen, über die Gestaltung und das Rahmenprogramm viele Menschen zu erreichen – und Fragezeichen zu setzen. Diesen Anspruch haben wir.“

So soll denn auch die Extraschicht dieses Jahres „ruhigere Geschichten erzählen“, wie Robert Laube sagt. Auf Feuerwerk und krachenden Rock soll die lange Nacht der Industriekultur an der Henrichshütte verzichten. Natürlich werde die Extraschicht 2014 dennoch für alle ein Fest – „wir zünden keine Grablichter an“. Und 2015, verspricht der Standortleiter, „gibt’s dann wieder ‘was zum Spaß haben“.

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