Der Hut des muslimischen Schützenkönigs

Julia Benkel
Der ehemalige Paderborner Schützenkönig Emin Özel händigt Theresa Viehoff-Heithorn seinen Schützenhut aus. Foto Thomas Schild / WAZ FotoPool
Der ehemalige Paderborner Schützenkönig Emin Özel händigt Theresa Viehoff-Heithorn seinen Schützenhut aus. Foto Thomas Schild / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Hattingen.  Naturtalent Emin Özel aus Paderborn überzeugt sich im Industriemuseum Henrichshütte, wo und wie die Kopfbedeckung bei der Ausstellung für Integration wirbt.

Hüte dienen nicht nur als Kopfbedeckung oder sehen modisch aus, sie können auch Geschichten erzählen. Diese sind zum Teil außergewöhnlich – wie die eines Schützenhutes aus Paderborn, Teil der Ausstellung „Alles Kopfsache. Hut, Helm, Tuch und Co.“ in Industrie- und Stadtmuseum vom 8. Juli bis 31. Oktober.

Besitzer des Schützenhutes: Emin Özel, erster muslimischer Schützenkönig Deutschlands. „Sein Beispiel zeigt, wie Integration heute stattfinden kann“, erklärt Theresa Viethoff-Heithorn, wissenschaftliche Volontärin im LWL-Industriemuseum Henrichshütte, begeistert. Sie selbst nahm Kontakt zu Özel auf und erzählt: „Er war sofort begeistert von der Idee, seinen Schützenhut für unsere Ausstellung abzugeben“.

Dabei hatte der Schützenkönig der Saison 2007/2008 und gläubige Muslim Özel zunächst überhaupt nichts mit dem Thema Schützenverein zu tun. „Er ist über Umwege zum Verein gekommen“, erzählt Viethoff-Heithorn Özels Erfolgsgeschichte, „er wurde zum Schützenfrühstück mitgenommen und hat sich dann breit schlagen lassen, es doch mal mit dem Schießen zu versuchen“.

Emin Özel entpuppt sich als Naturtalent. Der katholische Paderborner Bürger-Schützenverein 1881 e.V. empfängt sein neues Mitglied mit offenen Armen: „Der Schützenverein hatte kein Problem mit dem muslimischen Hintergrund des neuen Schützen“, erklärt Theresa Viethoff-Heithorn und bezeichnet Özels Eintritt in den Schützenverein als „krasseste Integration“.

Seinen Schützenhut hat Emin Özel persönlich im Industriemuseum abgeliefert, denn: „Er wollte sehen, wer seinen Hut ausstellt und wo“. Auch zur Eröffnung der Ausstellung am 8. Juli wird Özel wieder nach Hattingen kommen.

Sein Hut ist nicht wie andere Exponate geliehen, sondern gekauft und somit in festem Besitz des Industriemuseums. „Der Hut hat eine Bedeutung und steht dafür, wie Menschen mit Migrantenhintergrund erfolgreich den Schritt zur Integration machen“, freut sich Viethoff-Heithorn, „die Leute können sich darin wiederfinden“. Auch einen Bezug zwischen Integrationsgeschichten und dem Standort Henrichshütte sieht Theresa Viethoff-Heithorn deutlich: „Früher haben viele Menschen mit Migrationshintergrund auf der Hütte gearbeitet“. Aus diesem Grund plant das Museum für die Zukunft eine dauerhafte Ausstellung zum Thema Integration.

Neben Integration geht es bei der Ausstellung jedoch auch um die Kopfbedeckung im Allgemeinen. Das Industriemuseum zeigt das Thema aufgeteilt in die Bereiche Produktion (maschinelle Fertigung von Hüten), Distribution (wie kommt der Hut auf den Kopf?) und Motivation (warum tragen die Menschen Kopfbedeckungen?). Besonders stolz ist das Team des Industriemuseums auf die verschiedenen Exponate der Ausstellung: „Wir zeigen besondere Leihgaben wie beispiels­weise einen Hut von Marlene Dietrich aus ihrem Film ‘Der blaue Engel’ oder einen Jakobiner-Hut aus dem Jahr 1792“.

„Die Ausstellung ist eine Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum“, erklärt Viethoff-Heithorn. Hier erwartet die Besucher zunächst eine Hut-Ausstellung mit Bezug zur Stadt Hattingen, später eine Kunstausstellung rund um den Kopfschmuck.