Der Heimkehrer und sein Besitzer

Georg Bär
Georg Bär
Foto: WAZ FotoPool
Ein Opel Kadett Rallye, der in Bochum gebaut wurde, ist zurückgekehrt. Georg Bär hat den Oldtimer aus einer Scheune in Utah herausgeholt.

Hattingen.. Der Wagen hat schon bessere Zeiten gesehen. Vor 45 Jahren wurde er im Bochumer Opel-Werk gebaut und ist dann in die USA ausgeliefert worden. Jetzt kehrt der Kadett B Rallye in die Heimat zurück. Das Werk, in dem er gebaut wurde, ist geschlossen. Der Wagen steht in auf dem Hof eines Autohandels. Er kann sich keinen Meter vor- oder zurückbewegen. Nach Deutschland geholt hat ihn Autohändler Georg Bär, 72 Jahre alt, aus dem Hammertal.

Die Farben sind matt geworden und die Karosserie rostet an einigen Stellen. „Das wurde nie restauriert. Das ist alles original“, versichert Georg Bär. Angefangen von den Nebelscheinwerfern, über den Tacho mit Zusatzanzeigen wie Amperemeter und Ölstand, bis zum Getriebe. „Den Motor kriegt man überall her, den Rest nicht mehr“, sagt Bär. Zuletzt bewegt wurde das Auto vor etwa 20 Jahren.

2000 Dollar für den Transport

„Der Wagen stand da mehr rum, als dass er gefahren ist“, sagt Bär über das Auto. Jahrelang stand es in einer Scheune im US-Bundesstaat Utah. Der letzte Besitzer habe seine Rechnungen nicht mehr bezahlen können. Das Auto wurde verkauft und über einen amerikanischen Zwischenhändler kam es in die Hände von Georg Bär. Er ließ es nach Deutschland verschiffen: ­„Allein der Transport nach Los Angeles hat mich 2000 Dollar gekostet.“ Über den Hafen in Rotterdam kam der Wagen dann nach Bochum, auf das Gelände der Firma Bär und Co, Export und Import.

Seit über 45 Jahren ist Georg Bär im Geschäft. „Über 300 Autos habe ich aus Amerika rübergeholt“, sagt er. Einmal sogar das Auto von Schauspieler-Legende Marlon Brando: ein Mercedes Benz, 190er SL. „Da saß ich mit ihm am Tisch“, erinnert sich Bär und zieht hollywoodmäßig an seiner Light-Zigarette. Früher war die Firma ein Reparaturbetrieb. Weil sein Sohn Oliver das Handwerk nicht beherrscht – er habe kein Interesse daran gehabt, erzählt Georg Bär – habe sich das Familienunternehmen auf den An- und Verkauf spezialisiert.

Wagen hat 120.000 Kilometer auf dem Buckel

Die neueste Errungenschaft hat 74 244 Meilen auf dem Buckel – das sind rund 120.000 Kilometer. Da sei nichts an der Anzeige gedreht worden, ist Bär überzeugt: „In Amerika wird so etwas viel stärker bestraft.“

Privat ist Bär auch schon Kadett gefahren. 1968 hat er für 8000 D-Mark einen gebrauchten gekauft. Was er mit dem Heimkehrer-Wagen anfangen wird, das weiß Bär nicht. Eigentlich müsste er den Kadett Rallye restaurieren und weiterverkaufen. „Alles was man liebt ist kaufmännisch ganz schlecht“, philosophiert er. „Sie müssen mit einem Geschäftsblick da ran“, sagt er. Man weiß nicht, ob es bei diesem Wagen auch der Fall ist.

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