Der Hattinger Heimat- und Arbeiterdichter Otto Wohlgemuth

Otto Wohlgemuth verbrachte im Bügeleisenhaus in Hattingen seine letzten Lebensjahre. Das Bild zeigt ihn 1963, zwei Jahre vor seinem Tod.
Otto Wohlgemuth verbrachte im Bügeleisenhaus in Hattingen seine letzten Lebensjahre. Das Bild zeigt ihn 1963, zwei Jahre vor seinem Tod.
Foto: Archiv des Heimatvereins Hattingen /MiBEH
Der Hattinger Otto Wohlgemuth wäre am Sonntag, 30. März, 130 Jahre alt geworden. Hauptmotive seiner Gedichte waren die Arbeitswelt der Bergleute, die Natur und seine Liebe zur Heimat.

Hattingen.  Gerhard Hauptmann, einer der großen deutschen Schriftsteller des Naturalismus, war voll des Lobes über seinen schreibenden Kollegen. Otto Wohlgemuth habe mit seiner Literatur eine Form gefunden, in der „etwas lodere wie brennende Kohle“, soll Hauptmann einst über den Hattinger Heimat- und Arbeiterdichter gesagt haben, dessen Geburtstag sich am Sonntag zum 130. Mal jährt.

Geboren am 30. März 1884 als sechstes von 13 Kindern einer Bergarbeiterfamilie im Haus Langenberger Straße 5, wächst August Heinrich Gustav Otto Wohlgemuth – so sein vollständiger Name – in ärmlichen Verhältnissen auf. Die ersten Lebensjahre verbringt er in Klein Langenberg. Doch schon 1898 verlässt seine Familie die Hattinger Altstadt, zieht um ins benachbarte Linden. Erst im Jahre 1962 kehrt Otto Wohlgemuth – nach mehreren wechselnden Wohnsitzen – dauerhaft in seine Geburtsstadt zurück. „Nach Hause“, so hat er selbst es in seinem Gedicht „Ich wollt, ich könnte nach Haus“ formuliert, das nach einem Besuch in Hattingen entstand.

Im Bügeleisenhaus am Haldenplatz verbringt Wohlgemuth mit seiner dritten Frau Marie seine letzten Lebensjahre. Nach seinem Tod am 15. August 1965 im Alter von 81 Jahren findet er auf dem Friedhof an der Waldstraße seine letzte Ruhestätte – geleitet von Bergmännern in schwarzen Grubenuniformen.

Ihre Lebens- und Arbeitswelt ist neben seiner Liebe zu Heimat und Natur das zentrale Thema von Otto Wohlgemuths künstlerischem Werk. Er, der nach einer abgebrochenen Lehre als Former in einer Eisengießerei am Tag nach seinem 16. Geburtstag die erste Schicht unter Tage absolviert – auf der Zeche Friedlicher Nachbar – versucht schon früh, das als Bergmann Erlebte dichterisch zu gestalten. Sein Bestreben sei es, „die einsame schwere Schönheit der unterirdischen Grubenlandschaft der Allgemeinheit näher zu bringen“: So hat Wohlgemuth seine literarische Motivation einmal selbst formuliert.

Darüber hinaus ist ihm der Austausch mit Gleichgesinnten wichtig. Deshalb gründet er im Jahr 1916 den „Hellwegbund’, eine freie Künstlervereinigung. Sieben Jahre später folgt der „Ruhrlandkreis“, die erste Künstlergemeinschaft zwischen Ruhr und Emscher. Zwar gibt Wohlgemuth 1923 den Beruf des Bergmannes auf – zugunsten einer Anstellung als Stadtbibliothekar in Gelsenkirchen-Buer. Doch der Dichter, der 1933 aufgrund seiner SPD-Mitgliedschaft von den Nazis zwangspensioniert wird, sich später aber mit dem Regime arrangiert, bleibt der Welt der Bergleute verbunden. In ihren Reihen findet er bis zuletzt sein Publikum.

Und heute? Wird Otto Wohlgemuth nach Einschätzung von Hattingens Stadtarchivar Thomas Weiß von den meisten Menschen kaum noch wahrgenommen. Immerhin aber erinnert man in seiner Heimatstadt mit einer Dauerausstellung im Museum im Bügeleisenhaus an den einstigen „Westfalenpoeten“. Und mit einer Straßenbezeichnung: dem Otto-Wohlgemuth-Weg. Die Stadt hat den Abzweig von der Nordstraße zum 100. Geburtstag des Dichters, am 29. Februar 1984, eingeweiht, so Weiß. Wohlgemuths Geburtshaus, etwa einen Kilometer entfernt, war da längst abgerissen. Wegen der Stadterneuerung 1969/70.

 
 

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