Der Freidenker

Dr. Alfred Hirsch. Foto Thomas Schild / WAZ FotoPool
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Foto: WAZ FotoPool

Hattingen..  Prof. Alfred Hirsch bricht seit mehr als 20 Jahren die Gedenken großer Philosophen auf den Alltag der Menschen runter.

Nur zwischendurch hatten sie mal ein „Zwischenhoch“, da „gab es fast in jeder Großstadt ein Philosophisches Café“, sagt Heinz Starmann. Wenn er heute VHS-Kollegen in anderen Städten erzählt, dass in Hattingen seit knapp 25 Jahren philosophiert wird, können diese das kaum glauben.

Was wohl nicht nur an der Zugkraft der „Liebe zur Weisheit“ liegt, dem Bestreben, die Welt und die menschliche Existenz zu deuten und zu verstehen, sondern auch mit Alfred Hirsch zu tun hat, der sie kontinuierlich schürt. Seit damals, als er an der Ruhruni Bochum Doktorand war. Dabei wohnt der 49-Jährige nicht um die Ecke, sondern in Aachen und arbeitete zwischendurch fünf Jahre an der Sorbonne in Paris. Wo manch anderer vielleicht längst abgesprungen wäre, findet er immer neue Ansätze, bei namhaften Philosophen anzusetzen. Was er sagt, hat aber keinen Bart, schreckt nicht ab mit jahrtausendealten Erkenntnissen. Alfred Hirsch verbindet sie mit dem Alltag der Menschen.

„Eigentlich macht das kein Mensch“, sagt der dreifache Vater“ von zwei Töchtern und einem Sohn zwischen 14 und 21 Jahren mit Blick auf die Entfernungen. „Aber ich habe den Hang, Dinge, die ich angefangen habe, zu Ende zu bringen.“ Er ist so frei, die Verantwortung für etwas zu übernehmen, was relativ klein anfing in Hattingen und dann, so Starmann, „einen Quantensprung machte“ zum Philosophischen Café. Sein Leiter startete mit Abendvorträgen, Matinéen folgten. Aus 40 Minuten langen Vorträgen mit eineinhalb Stunden Diskussion wurde ein Viertelstunden-Impuls-Referat, das in letzter Zeit wieder etwas länger wird, danach wird gemeinsam philosophiert im Sonntags-Café. Nur ohne Kuchen.

Prof. Hirsch kommt immer wieder auf die Verantwortung zurück, „die Schwester der Freiheit“, mit der man schon Kinder betrauen müsse. Wenn Manager die Freiheit missbrauchen können, ganze Volkswirtschaften ruiniert werden, „ist das System nicht richtig aufgebaut“. Nicht nur akademisch und wissenschaftlich geht er die Philosophie an, sondern bricht sie runter auf die Sorgen, Nöte, Probleme, aber auch Freuden der Menschen. Er bringt nicht einfach sein geballtes Wissen an den Mann oder die Frau, sondern ist auch neugierig, „von ihnen zu lernen“.

So hat er es schon in einem Projekt mit Schülern gehalten, das sich um Integration drehte. Es hat seine Annahme bestätigt, dass die, zumindest im geschützten Raum von Schule, von allein gut funktioniert. Allerdings könne man die Rahmenbedingungen verbessern. Jugendliche mit türkischem Hintergrund hätten sich nicht als Ausländer, als fremd betrachtet. Eine entsprechende, „blödsinnige Frage“ habe ein Mädchen nach längerem Zögern damit beantwortet, sie sei „aus Marl“.

15 bis 30 Zuhörer hat er in Hattingen, viel Stammpublikum. Frei im Denken, wie die Philosophie als Wissenschaft, war Hirsch schon als Schüler. Geschichte begeisterte ihn. Eine Arbeit über 40 Seiten war dem Lehrer aber zu viel. Sein einziger Leser: der Vater.

 
 

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