Der Bewahrer gebauter Geschichte

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  • Dr. Heinrich Eversberg war Kreisheimatpfleger und lange Jahre Vorsitzender des Heimatvereins
  • Er gründete die Buddel-AG und erkundete mit ihr die Isenburg
  • Kampf für den Erhalt der Fachwerkhäuser

Hattingen..  Dass Hattinger Geschichte nicht nur in der Erinnerung, sondern auch in Form alter Bauwerke bewahrt werde, das war Heinrich Eversberg ein Anliegen, dem er sich jahrzehntelang gewidmet hat: als Leiter der sogenannten „Buddel-AG“, in der Waldstraßenschüler unter Anleitung des Hattinger Lehrers zunächst Fundamente der Burg Altendorf, später dann der Isenburg ausgruben; und als engagierter Kämpfer für den Erhalt der Fachwerkhäuser in der Altstadt. Am heutigen Donnerstag vor 20 Jahren ist der frühere Kreisheimatpfleger und Vorsitzende des Heimatvereins Hattingen-Ruhr im Alter von 85 Jahren gestorben.

Als einen „rustikalen, von seiner Sache überzeugten und für diese begeisternden Menschen“ hat Denkmalpfleger Jürgen Uphues Heinrich Eversberg in Erinnerung. Als 13-Jähriger wurde der heute 56-Jährige von diesem in Erdkunde und Deutsch unterrichtet. Zudem war Uphues Mitglied der Buddel-AG; jeden Samstag um 13 Uhr trafen sich die Teilnehmer am Busbahnhof zur Abfahrt gen Isenberg, um dort mittelalterliche Wertgegenstände auszugraben, erzählt Uphues.

Ausgrabungen und Theorie

Noch heute erinnert er sich daran, dass der promovierte Pädagoge, der nach einer kurzzeitigen Beschäftigung auf der Henrichs­hütte nach Kriegsende ab 1948 am Gymnasium Waldstraße unterrichtete, „sehr viel Wert darauf legte, dass wir alle auch wussten, was wir bei unseren Ausgrabungen auf der Isenburg eigentlich taten“. Und so habe es regelmäßig auch Theorieunterricht gegeben. Sein Ziel, die Isenburg zu erhalten, hat Heinrich Eversberg mit Hilfe der Buddel-AG erreicht: Durch die historischen Funde konnte er die Genehmigung eines geplanten Hotels verhindern.

Doch nicht allein die Isenburg, um deren Erhalt sich der aus der Buddel-AG hervorgegangene Verein zur Erhaltung der Isenburg kümmert, würde es ohne das Engagement des früheren Kreisheimatpflegers heute womöglich nicht mehr geben. Auch als Vorsitzender des Hattinger Heimatvereins – ein Amt, das Eversberg 1953 übernahm und bis zu seinem Lebensende ausfüllte – hinterließ er bleibende Spuren. So sorgte er unter anderem mit einigen Vereinskollegen dafür, dass der Verein das Bügeleisenhaus erwarb und dass dieses restauriert wurde, sagt Lars Friedrich, der heutige Vorsitzende. Als der Verein 1957 die Tagung „Unsere Altstadt soll nicht sterben“ veranstaltete, habe Eversberg auf der Abschlusskundgebung im Krämersdorf viele Hattinger zum Kampf um den Erhalt der Fachwerkhäuser bewegt. „Unermüdlich und oft im Alleingang regte Dr. Eversberg in den nächsten Jahren weitere Aktionen an, die bei der damaligen Stadtverwaltung nicht selten auf wenig Wohlwollen stießen. Doch der Kirchplatz, der Turm der Johanniskirche, die Stadtmauer und zahlreiche Fachwerkhäuser wären ohne ihn und sein Engagement heute vielleicht nicht mehr vorhanden.“

Jürgen Uphues erinnert sich an eine Aktion anno 1976, als Eversberg ihn und weitere Schüler eines Samstags zusammenrief, um die Stadtmauer zwischen Steinhagen und Holschentor von Gestrüpp zu befreien. Als die Mauer sauber war, habe die Stadt sich entschieden, dass die Schulstraße, der die historischen Mauerreste zunächst hatten zum Opfer fallen sollen, doch einen anderen Verlauf nehmen sollte und die Steine stehenbleiben konnten.

Dass Eversberg es indes verdient hätte, dass „eine Straße, Gasse oder ein Platz nach ihm benannt würde“, wie Lars Friedrich anmerkt, findet Uphues nicht: „Er hat das alles doch nicht gemacht, um ins Rampenlicht gestellt zu werden, sondern allein, weil es ihm um den Erhalt von historischen Werten in dieser Stadt ging.“

 
 

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