Der aristokratische Adelssitz

Haus Weile 1920.
Haus Weile 1920.
Foto: Sammlung Gerhard Wojahn
Heimatfreund Gerhard Wojahn erinnert an das Haus Weile, das im Jahr 1298 erstmals erwähnt wurde.

Hattingen..  Als ich in den 1940er Jahren vom Ruhrgässchen aus über den Leinpfad ruhrabwärts zur Birschels Mühle wanderte, fiel mir stets das am rechten Ruhrufer alleinstehende Bauernhaus auf. Seine umliegenden Felder und Wiesen reichten weit bis zum Rauendahl und zum Winzer Berg.

Der Gutshof war allgemein als Haus Weile bekannt. Die Ansichtspostkarte aus dem Jahr 1920 verrät nichts über die Geschichte des Anwesens, sie liegt weitgehend im Dunkeln. Eine erste urkundliche Erwähnung fand im Jahr 1298 statt.

Haus Weile war ein aristokratischer Adelssitz, der sich ab dem 17. Jahrhundert nacheinander im Eigentum der alten angesehenen Hattinger Bürgerfamilien Bröckelmann, Märker, Severin, Basse und Heintzmann befand.

Im Jahre 1827 errichtete August Heintzmann neben dem Haus Weile eine Kohlenniederlage als Zwischenlager für den Landtransport. Gleichzeitig ließ er eine fast zwei Kilometer lange Pferdeschleppbahn bauen, die das Stollenmundloch St. Mathias im Rauendahl mit seinem Gutshof verband. Ab dem Hof begann der Gahlen’sche Kohlenweg, ein Transportweg für Kohle der ersten Zechen an der Ruhr von Hattingen über Bochum, Dorsten bis Gahlen an der Lippe. Dort wurde die Kohle auf Lippekähne geladen und zum Rhein verschifft.

1907 brannte Haus Weile ab, es wurde in der heutigen Form wieder aufgebaut. 1927 ist das Gebäude an die Henrichshütte verkauft worden. Und 1959 erfolgte die Ruhrverlegung, um das Betriebsgelände der Henrichshütte zu vergrößern. Durch die Ruhr-Umbettung fließt die Ruhr nunmehr nördlich an Haus Weile vorbei. Seit 1998 ist das Haus in Privatbesitz, es wird mit der Bezeichnung „Landhaus Grum“ gastronomisch genutzt.

Im Mittelalter verließen Kaufleute, die sich auf dem Fernhandelsweg vom Rheinland in die Westfälische Bucht befanden, unseren Ort Hattingen durch das Stadttor „Weyle poerte“ und gelangten so zur alten Ruhrbrücke. Bereits 1313 war eine hölzerne Brücke an der „Baaker Furt“ über die Ruhr, nahe dem landwirtschaftlichen Gut „Haus Weile“, errichtet worden. Nach dem Gutsnamen wurde das Stadttor benannt. Die Bezeichnung „Weile“ spiegelt sich nicht nur auf dem Stadttor wider, es beginnen am gleichen Tor auch die Große und die Kleine Weilstraße. Zudem waren früher noch die Weiler-Mühle, Weiltor-Gaststätte und Weiltorschule vorhanden.

 
 

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