Den Beamten-Dreikampf beendet er heute

Reinhard Birck. Foto: Uwe Möller WAZ FotoPool
Reinhard Birck. Foto: Uwe Möller WAZ FotoPool
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Reinhard Birck, das Gesicht des Ordnungsamtes, geht nach 51 Jahren und zwei Monaten in Ruhestand.

Hattingen..  Ordnung hat er immer gehalten. Qua Amt in seinem Job, aber auch an seinem Arbeitsplatz, an dem alles sortiert und sofort griffbereit war. ­Reinhard Birck hat sich immer an den Beamten-Dreikampf, wie er mit einem Augenzwinkern sagt, gehalten: „Knicken, lochen, abheften!“ Doch er war nie ein Schreibtisch-Täter, war immer draußen, an den Einsatzstellen des Ordnungsamtes, bei den Menschen. In 51 Jahren und zwei Monaten bei der Stadtverwaltung hat er spektakuläre Tage erlebt – heute ist sein letzter im Dienst.

Was hat er nicht alles erlebt. Hat als Standesbeamter ein Paar im Kreißsaal des Ev. Krankenhauses getraut. Hat nach dem Brandanschlag an der Unionstraße im Juni 1993 30 Stunden am Stück Bereitschaftsdienst gehabt. Hat die Sprengung des Mädchen-Gymnasiums Bismarckstraße begleitet.

„Das war eine Geschichte“, sagt er und schildert seine Erinnerungen an den Tag: „Ich war mit Feuerwehrchef Schnier im Mühlenwinkel, als Sprengmeister Rolle aus Wuppertal zur Tat schritt. Rrrrrom – und eine riesige Staubwolke breitete sich aus. Als alles weg war, sahen wir, dass die Fassade immer noch stand.“ Schnell musste das Ordnungsamt die gesamte Bismarckstraße evakuieren, ehe eine stärkere Sprengladung ihr Übriges tat und die Grundmauern versenkte.

Gerade 13 Jahre alt war Reinhard Birck, als er an einem Dienstag nach Ostern seinen Dienst bei der Stadt antrat. Am 4. April 1961 war das. ­„Meine Mutter lieferte mich am Rathaus ab und sagte: So, da kannst Du jetzt was lernen.“

Eine 45-Stunden-Woche war seinerzeit normal. Doch weil Birck noch so jung war, durfte er nicht so lange arbeiten – und ist immer früher nach Hause gegangen. Das heißt aber nicht, dass er faul war. Ganz im Gegenteil: Bis zum Jahr 1983 durchlief der Volksschüler fünf verschiedene Ausbildungsabschnitte, den letzten schloss er mit dem Kommunaldiplom ab. Da arbeitete er schon längst im Ordnungsamt und war nebenbei auch noch Standesbeamter. Insgesamt schloss Birck 380 Ehen.

Im Jahr 2000 wurde der damals 53-Jährige Amtsleiter, seit der Verwaltungsstrukturreform 2006 ist er stellvertretender Fachbereichsleiter für Bürgerservice, Rechts- und Ordnungsangelegenheiten. Er war nicht immer bequem, vertrat intern konsequent seine Meinung – das kam mal besser, mal weniger gut an.

„Der Verwaltungsspitze bleibe ich ja erst einmal erhalten“, sagt Reinhard Birck und grinst. „Als Vize-Präsident des TuS Hattingen werde ich die Bedingungen für unseren Kunstrasen-Bau mit verhandeln.“ Überhaupt wird der TuS Hattingen seine neue große Aufgabe. Er will das 150-Jährige vorbereiten, den Vereinsheim-Bau dokumentieren, Mitglieder anwerben. Und er will sich um seine zwei Enkel, zehn und drei Monate alt, kümmern.

Erst einmal wird aber am Freitag mit ehemaligen Kollegen gefeiert (im TuS-Vereinsheim, wo sonst?) – dann geht’s ab nach Fuerteventura.

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