Das Museum im Schmuckstück wird 50

Foto: Gerhard Wojahn
Am 17. Oktober 1962 eröffnete das Heimatzentrum im Bügeleisenhaus.

Hattingen..  Eines der ausdrucksvollsten Fachwerkhäuser der Hattinger Altstadt steht am Haldenplatz. Es ist das von dem einheimischen Bürger Wilhelm Elling im Jahre 1611 errichtete Bügeleisenhaus.

Das Gebäude fasziniert durch seine bizarre, bügeleisenartige Form. Auffallend ist die zur Großen Weil­straße hin spitz zulaufende Gebäudebreite, sie ist den Gassen links und rechts des Hauses angepasst. Das in der Breite überragende Obergeschoss wird von Knaggen gestützt. Diese dreieckigen Winkel­stücke sowie Pfeilerabschlüsse und Balken sind mit Maskenschnitzereien reich verziert. Und auch die kleinen Fenster mit Bleiverglasung machen den Bau zu einem Schmuckstück.

Ebenso hervorzuheben sind die Haustür und der darüber im Türbalken eingeschnitzte Spruch. Übersetzt lautet er: „Behüte mich, Herr, vor Fieber und Brand, Wilhelm Ellings Haus bin ich genannt. Alle die mich kennen, den gebe Gott, was sie mir gönnen. Anno 1611.“

Im 18. Jahrhundert wurden hier von Tuchmachern auf Handwebstühlen Kleiderstoffe hergestellt. Später ließ ein Metzger das Haus umbauen und einen Schlachtraum, eine Wurstküche und einen Laden einrichten. Schließlich wurde im Jahr 1907 ein Wohnhaus daraus.

1953 war das Haus baufällig und stand zum Abbruch.

Auf Initiative von Dr. Heinrich Eversberg erwarb der Heimatverein Hattingen-Ruhr 1955 das Bügeleisenhaus zu einem günstigen Preis mit der Absicht, dort ein Heimatzentrum zur heimatgebundenen Kulturpflege zu schaffen. Restaurierung und Renovierung erfolgten von 1956 bis 1962. Vor 50 Jahren, genau am 17. Oktober 1962, wurde das Zentrum eröffnet.

Neben Wechselausstellungen zu heimatkundlichen Themen und Ausstellungen zeitgenössischer Kunst erinnert der Verein im Bügeleisenhaus dauerhaft an die heimischen Künstler Hildegard Schieb (Malerei) und Otto Wohlgemuth (Literatur). Breiten Raum nimmt auch die Würdigung des Hattinger Oberstudienrats und langjährigen Vorsitzenden des Heimatvereins, Dr. Heinrich Eversberg, ein. Unter seiner Beteiligung entstanden in den ersten Nachkriegsjahrzehnten erste Masterpläne zur Erhaltung der Hattinger Altstadt. Sein Engagement bei den Ausgrabungen der Burgen in Essen Burg-Altendorf und auf dem Isenberg wird dargestellt. Die Funde sind teilweise im Ellingschen Fachwerkhaus, dem heutigen „Altstadtmuseum Bügeleisenhaus“, am Haldenplatz Nummer 1 zu sehen.

Das Heimathaus am Haldenplatz

Am 17. Oktober 1962, also vor 50 Jahren, wurden mit einer Sitzung des Westfälischen Heimatbundes/ Fachstelle „Ostdeutsches Volkstum“ die drei ostdeutschen Heimatstuben im Bügeleisenhaus eröffnet und der Museumsbetrieb im „Heimathaus am Haldenplatz“ begann. Bürgermeister Willi Brückner (SPD) betonte in seiner Festrede: „Die Völkerwanderung war nur ein Rinnsal gegenüber dem Strom, der sich von Osten her zu uns ergoss. Wir alle müssen den eisernen Willen zur Wiedervereinigung aufbringen, sonst bewahrheitet sich das alte Sprichwort: Aus den Augen, aus dem Sinn.“

Für die Einrichtung der ostdeutschen Heimatstuben vor 50 Jahren war entscheidend, dass nach dem Krieg die Bevölkerungszahlen der Stadt Hattingen durch den Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen in kurzer Zeit enorm anstieg. So appellierte Dr. Heinrich Eversberg als Vorsitzender des Heimatvereins zusammen mit dem Bund der Vertriebenen und den Landsmannschaften im März 1962 an die ostdeutschen Landsleute der Stadt, „am Aufbau des ostdeutschen Kulturzentrums in Hattingen und an der Rettung unseres zu versinken drohenden Kulturgutes mitzuhelfen“.

In den 50 Jahren haben sich die Ausstellungsinhalte jedoch stark verändert: Nach der Auflösung der Heimatstuben standen für viele Jahre die Ausgrabungsfunde aus den Ruinen der Burgen Altendorf und Isenberg im Vordergrund der Dauerausstellung. Darüber hinaus zeigt der Heimatverein seit 1999 Sonderausstellungen in seinem Museum, so „Stadtteilgeschichte zwischen Weiltor und Ruhrbrücke“, „Hildegard Schieb: Bilder aus einer verlorenen und einer neuen Heimat“, „Otto Wohlgemuth: Mein Leben lang bin ich Arbeiter gewesen...“, „Die Synagoge – Schnittpunkt jüdischen Lebens“, „Stahlverwandtschaften: Bilder und Objekte von Angelika Walter“, „Dr. Heinrich Eversberg: Eine Ausstellung zum 100. Geburtstag des Kreisheimatforschers“ und aktuell „Zwischen Fund und Dichtung: Die Steinzeit in Hattingen/Ruhr“. (Heimatverein)

 
 

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