Das kleine Hattingen im Keller

Ein Spielzeugmarkt fand am Montag in der Gebläsehalle statt. Auch Modellautos waren zu sehen und zu kaufen.
Ein Spielzeugmarkt fand am Montag in der Gebläsehalle statt. Auch Modellautos waren zu sehen und zu kaufen.
Foto: WAZ FotoPool
Auch Dampfmaschinen für die kleine Welt zu Hause kauften Besucher in der Gebläsehalle bei „Jomos Spielzeugmarkt“

Hattingen..  Da erwacht das Kind im Manne, denn Herren sind’s, die sich mit prüfendem Blick nach vorne beugen, um Lastwagen, Autos und S-Bahnen genau unter die Lupe zu nehmen. Und ein Lächeln auf ihren Lippen zeigt sich, wenn sie einen Waggon in die Hand nehmen und sich freuen: „Bei dem Preis kann man wirklich nichts sagen.“ Es handelt sich um Sammlerstücke. In der gut besuchten Gebläsehalle des Industriemuseums verkauften am Montag rund vierzig Händler bei „Jomos Modellbahn und Spielzeugmärkte“ Dampflokomotiven aus den 1920er Jahren, moderne Polizeiwagen oder kleine Wandersleute mit Gehstock und Pferdchen.

Hanno Engels (46) sucht Wiking Autos aus den 1950er bis 1970er Jahren, seit dreißig Jahren sammelt er – faszinierte sich als Jugendlicher dafür. Heute stehen die kleinen Autos überall in den eigenen vier Wänden: „In Vitrinen, auf Schränken und auf dem Küchentisch neben der Margarinedose.“ Beim Spielzeugmarkt tauscht er sich mit „Gleichgesinnten“ aus. „Mittlerweile gibt es eine etablierte Szene, früher gab es nicht so viele Sammler wie heute.“ Am Stand von André Held (43) stehen alte und neue Modelle. „Wiking Autos gibt es schon für zwei Euro zu kaufen, bei Auktionen steigen die Gebote aber bis in den fünfstelligen Bereich an“, weiß der Liebhaber, der seine doppelten Modelle verkauft, um sich von dem Geld wiederum neue zu kaufen. Das Aussehen der Autos hat sich in den Jahren sehr verändert. „Sie werden immer detaillierter“, meint Hanno Engels. Ein BMW 501 aus dem Jahr 1954 hat eine Drahtachse, keine Fensterscheiben, unten drunter ist das Spielzeugauto offen. Bei dem moderne Audi TT sieht man die zarten Außenspiegel, Felgen, winzige Scheinwerfer. Im Preis unterschieden sie sich kaum: Der BMW kostet 20 Euro, der Audi 14 Euro. Allerdings sind die alten Modelle in der Regel teurer. Hanno Engels erklärt: „Von früher sind nicht mehr so viele Autos übrig, die Kinder haben damit gespielt, die meisten sind kaputt oder verloren gegangen, sie waren nicht zum Sammeln gedacht. In den 1980er Jahren wurde dann mehr produziert, auch zum Sammeln.“

Peter und Angela Weiß begeistern sich für die Modellbahnen von Trix Express. Als Dreijähriger bekam Peter Weiß seine erste Lok geschenkt. „Mein Opa baute im Winter seine Anlage im Wohnzimmer auf, die dann drei Monate dort stehen blieb“, erzählt er, „meine Oma war nicht erfreut.“ Er erbte die Anlage mit Analogtechnik, die Eisenbahnen fahren heute in seinem Keller. Angela Weiß gestaltet die Landschaft. „Als Motiv haben wir uns das bunte Ruhrgebiet ausgesucht“, sagt sie, „viele grüne Bäume, Häuser im Jugendstil, Zechen und auch Hattingen mit alten Fachwerkhäusern.“ Auf dem Spielzeugmarkt haben sie sich ein paar Waggons dazugekauft. Die rattern bald durch ihr Hattingen.

 

EURE FAVORITEN