Das Ende einer kleinen Bücherei

Sabine Weidemann
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Die Bücherei der Ev. Kirchengemeinde Welper-Blankenstein musste nach 40 Jahren schließen. Die Besucher blieben aus, weil neue Medien fehlten.

Hattingen.  In Zeiten, in denen immer mehr Tablet-Computer, Spielekonsolen und MP3-Player unter dem Weihnachtsbaum liegen, haben es kleine Büchereien schwer. Als letzte Konsequenz bleibt dann nur die Schließung. Und dieses Schicksal hat nun – nach 40 Jahren – auch die Bücherei der Ev. Kirchengemeinde Welper-Blankenstein ereilt. Das ehrenamtliche Team wurde in einem Gottesdienst im Paul-Gerhardt-Haus verabschiedet.

Dort hatte sich auch Anne Prinz über zehn Jahre engagiert. „Seit meiner Pensionierung in der städtischen Bücherei“, sagt sie. „Mit den Büchern arbeiten und Leuten begegnen, das war toll“, erinnert sich die 70-Jährige. Doch jetzt ist im Paul-Gerhardt-Haus Schluss damit. Wehmütig wird Anne Prinz trotzdem nicht: „Wir haben mit den neuen Medienformen einfach nicht mehr mithalten können.“ Dabei hatten die Mitarbeiterinnen lange gekämpft. „Wir haben versucht die Ausleihe zu beleben, indem wir Buchpäckchen für die Leute im Paul-Gerhardt-Haus gepackt haben“, erklärt Anne Prinz. Anhand der Ausleihkärtchen habe man die Interessen erkundet und danach verschiedene Bücher ausgesucht und bereitgestellt. Aber die Laufkundschaft wurde immer weniger. Zuletzt kamen nur noch 20 Leute in die Bücherei.

Vor 40 Jahren hatte Elvira Wansing den Grundstein für die Biblio­thek gelegt. „Ganz am Anfang war die ‘Bücherei’ nur ein Schrank irgendwo im Paul-Gerhardt-Haus, dann gab es ein Gelass auf halber Treppe“, berichtet Anne Prinz. Als aber der Kindergarten auszog, habe die Gemeindebücherei endlich richtige Räume bekommen. Dann habe sich Küsterin Annegret van Mameren dahinter geklemmt, die noch bis zuletzt zu dem ehrenamtlichen Team gehörte, und erlebte die Hohezeit der Bücherei. „Sie hat Gruppen im Haus direkt angesprochen und auch Bücherpakete geschnürt“ erzählt Anne Prinz. „Und da lief es.“

Die Reform der Reform

5000 Bücher warteten im Paul-Gerhardt-Haus auf Leseratten. „Wir hatten alles, was eine Bücherei braucht.“ Und das, obwohl sie seit Jahren nicht mehr im Etat der Kirchengemeinde vertreten gewesen sei. Über Bücherspenden gab es immer Neues zu entdecken.

Nur der Kinder- und Jugendbuchbestand litt. „Da ist die Reform der Reform der Rechtschreibreform über uns hinweg gebraust“, bedauert Anne Prinz. Aber Leseanfängern könne man keine Bücher mit falscher Rechtschreibung geben. Und heute? „Da sind die Ansprüche anders gelagert. Früher lasen die Kinder einfach mehr.“

Der übrig gebliebene Leserstamm bedauert die Schließung der Bücherei nach 40 Jahren sehr. „Wir haben ihnen jetzt die Bürgerbücherei in Welper empfohlen. Die ist auch ohne Treppen erreichbar“, weiß Anne Prinz. Die Bücherei im Paul-Gerhardt-Haus verlässt sie ohne Tränen. „Aber wenn die Räume dann leer sind, das mag ich mir doch nicht anschauen.“