Bunte Neidmasken zeigen Zungenpiercing

Lars Friedrich erklärt anhand der Knaggen was es mit der Farbgestaltung auf sich hat.
Lars Friedrich erklärt anhand der Knaggen was es mit der Farbgestaltung auf sich hat.
Foto: WAZ FotoPool
Farbe war das Thema des Tags des offenen Denkmals. In Hattingen erklärte Lars Friedrich alles, was am Bügeleisenhaus Hattingen farbig ist. Einst war das Haus schwarz-weiß. Die Farbigkeit kam erst in den 1970er Jahren.

Hattingen..  Knalliges Gelb, Rot, Grün und Blau leuchtet an den Knaggen - also den hölzernen Konsolen -, der Saumschwelle und Profilleiste am Bügeleisenhaus. Und blaue Neidmasken an den Balkenköpfen strecken Missgünstigen ihre Zunge entgegen - manche davon ist gar gepierct, scherzt Lars Friedrich vom Heimatverein Hattingen/Ruhr. Immerhin sind die flach geschnitzten Ringe gelb bemalt und so hervorgehoben.

Einer Symbolik aber folgen die Farben am Bügeleisenhaus nicht. Das stellt Lars Friedrich gleich zu Beginn klar. Am Tag des Denkmals erklärte er, was es mit den Farben auf sich hat. Sei zunächst erwähnt: Ursprünglich war das Haus schwarz-weiß gehalten. „Farbe kam in der Fassadengestaltung nur durch Kienruß oder Holzteer für die schwarzen Balken und durch die mit Kalkmilch weiß getünchten Gefache ins Spiel“, so Friedrich.

Hausinschrift leserlicher

Die leuchtenden Farben sind ein Erbe erst aus den 1970er Jahren. „Aber nicht mehr wegzudenken, weil jeder das Haus so kennt“, sagt Friedrich. Dabei tut die Farbe dem Holz gar nicht gut. „Es ist mehr ein Lack, der macht es dem Holz schwer, Feuchtigkeit abzugeben.“

Die figürlichen Flachschnitzereien wurden „farblich überhöht“, so nennt Friedrich es. Weiß ist die Ente, rot ihr Schnabel. Original hin oder her: Der Leserlichkeit der Hausinschrift dient die Farbgebung in jedem Fall. Wortanfangsbuchstaben leuchten rot, die Reste der Worte weiß. Auch die Sonnenscheiben neben der Hausmarke mit den Initialen des Erbauers Wilhelm Elling über der Tür fallen mehr auf als ohne Färbung - „vorher wirkten die Ornamente nur durch das Zusammenspiel von Licht und Schatten“, sagt der Experte. Wie das aussieht, kann man am restaurierten Haus Nummer drei nebenan sehen. Einst farbig wurde hier der ursprünglich Zustand wieder hergestellt.

Opulent gefärbt sind auch die Weinranken - und innen die Innenraumknaggen in der ersten Etage. Sie sind als Abwehrmasken gestaltet. Einst, weiß Friedrich zu berichten, war sogar die aus einem Bauernhaus in Oberstüter stammende Tür weiß lackiert - oder auch mal in Ocker. Jede Zeit hat eben ihren eigenen Geschmack. Wie der sehr früher Bewohner gewesen sein muss, lässt sich erahnen, wenn man die Treppe auf den Dachboden nimmt. Dort fallen einzelne blaue Flecke auf. „Die waren schon da, das zeigt, das Wert auf farbige Gestaltung gelegt wurde“, so Friedrich, der auch noch auf die Vitrinen verweist: „Wir haben hier farbige Murmeln von der Isenburg ausgestellt - und Wandstücke, auf denen sich noch rötliche und grau-blaue Färbung erahnen lässt.“

 
 

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